Zum Thema selbstbewusstes und erfolgreiches Auftreten gibt es bereits unzählige Ratgeber. Als Schlüssel zur besseren Durchsetzungsfähigkeit werden in diesen Büchern immer wieder folgende Fragen aufgeführt:
- Wie gut kennen Sie sich selbst? Ihre Stärken? Ihre Interessen? Ihre Ziele?
- Sind Sie von sich überzeugt? Haben Sie eine positive Einstellung sich selbst gegenüber?
- Haben Sie den Mut, sich für Ihre Interessen und Ziele einzusetzen?
- Verfügen Sie über ein gutes Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse und Wünsche von anderen Menschen?
- Haben Sie eine positive Einstellung anderen Menschen gegenüber?
- Verfügen Sie über entsprechende kommunikative Fähigkeiten, um Ihre Bedürfnisse auszudrücken und andere Menschen davon zu überzeugen?
- Letztendlich geht es um drei zentrale Punkte: wer Sie sind, wer Ihr Chef ist und wie Sie mit Ihrem Chef kommunizieren, um ihn für Ihre Ideen und Vorstellungen zu gewinnen.
Der erste und wichtigste Schritt: Nehmen Sie sich ernst und sein Sie sich wichtig.
Auch wenn Sie bisher vielleicht immer gelernt haben, dass Sie sich nicht so wichtig nehmen sollen. (Sie sollen sich wichtig nehmen und dabei die Bedürfnisse anderer Menschen nicht aus den Augen verlieren. Das heißt aber nicht, dass Sie die Wünsche und Bedürfnisse anderer Menschen vor oder über Ihre eigenen stellen.) Sie sind ein wertvoller und wichtiger Mensch – für sich selbst der wichtigste. Sie haben das Recht, sich selbst zu vertrauen und sich etwas zuzutrauen, nämlich Ihre Ziele durch Ihre Fähigkeiten und Ihre Potenziale zu erreichen und Herausforderungen zu meistern. Sie haben ein Recht auf Glück und Erfolg, das Sie in Anspruch nehmen und genießen dürfen. Sie haben auch ein Recht darauf, Ihre Interessen zu verwirklichen.
Wie Sie bestimmt aus der Rechtssprechung wissen, sind Recht haben und Recht bekommen zweierlei Paar Schuhe. Um zu Ihrem Recht zu kommen, müssen Sie sich dafür einsetzen, vielleicht sogar darum kämpfen. Und bedenken Sie: alle anderen Menschen haben die gleichen Rechte wie Sie – auch Ihr Vorgesetzter oder Ihre Vorgesetzte. Es geht also darum, dass Sie Ihre Rechte und Interessen mit angemessener Rücksichtnahme – hier geht es um die richtige Balance zwischen Egoismus und Unterordnung – durchsetzen.
Der zweite Schritt: Schlagfertig kommunizieren
Sein Sie redegewandt und sagen Sie, was Ihnen wichtig ist Schlagfertig zu sein heißt übrigens nicht, dass Sie jederzeit auf verbale An- und Übergriffe eine freche Äußerung parat haben oder haben müssen. Schlagfertig zu sein bedeutet, dass Sie in solchen Situationen nicht mehr sprachlos sind und sich durch die Dreistigkeit Ihres Gesprächspartners wie gelähmt fühlen. Treten Sie selbstbewusst auf, anstatt klein bei zu geben. Verfallen Sie dabei aber nicht der Versuchung, es Ihrem Gegenüber mit gleicher Münze heimzuzahlen. Stattdessen ist es viel wirkungsvoller, wenn Sie die Regeln und Do’s der Kommunikation beherrschen und mit fairen Mitteln Position für Ihre Meinung beziehen. Letztlich ist es so, dass den Menschen, die zu unlauteren Mitteln und Don’ts der Kommunikation greifen, die überzeugenden Argumente ausgegangen sind und sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Diese vermeintliche Niederlage können sie jedoch nicht zugeben. Von Erfolg gekrönt ist ihr Vorgehen allerdings höchstens kurzzeitig. Denn wer möchte sich schon gerne mit Menschen abgeben, die andere regelmäßig – wenn auch „nur“ verbal – fertig machen?
Der dritte Schritt: Finden Sie heraus, was Ihnen wichtig ist und was Sie wollen
Wirklicher und nachhaltiger Erfolg ist Ihnen sicher, wenn Sie herausfinden, was Ihnen wichtig ist, was Sie wollen und wenn Sie sich für Ihre Ziele einsetzen. Mit sachlichen Argumenten gepaart mit einer angemessenen Portion Leidenschaft und Begeisterung wird es Ihnen sicherlich leichter fallen, Ihren Chef zu überzeugen. Setzen Sie auf persönliche Integrität und Authentizität. Um sich den Respekt und die Wertschätzung Ihres Chefs zu verschaffen, ist es neben guten Arbeitsergebnissen nicht notwendig, dass Sie es ihm immer Recht machen. Im Gegenteil. Ihr Chef möchte sicherlich auch nicht von opportunistischen Ja-Sagern umgeben sein. Vermutlich schätzt er es sogar sehr, wenn er wichtige oder schwierige Themen mit Ihnen sachlich diskutieren kann.
Achten Sie bei diesen Gesprächen darauf, dass Sie immer von Ihrem persönlichen Standpunkt reden, senden Sie Ich-Botschaften. Erst recht, wenn Sie anderer Meinung sind als Ihr Chef oder Sie ihn vielleicht sogar kritisieren. Sagen Sie, dass Sie etwas nicht nachvollziehen oder verstehen können oder dass Sie anderer Meinung sind. Oder dass Sie sich über etwas Bestimmtes ärgern. Aber sprechen Sie von sich und greifen Sie Ihren Chef dabei nicht an. Sie haben ein Recht auf Ihre Meinung – und Ihr Chef hat ein Recht auf seine. Dabei geht es häufig weniger darum, was richtig oder falsch ist. Oder wer sich durchsetzen kann. Es gibt oft genug Situationen, in denen zwei Meinungen und Vorgehensweisen vollkommen gleichberechtigt nebeneinander stehen können.
Autorin
Christiane Drühe-Wienholt
Buchtipp
Endlich frustfrei! Chefs erfolgreich führen: Die besten Tricks für harte Fäll
BusinessVillage
Göttingen, 2007
110 Seiten
ISBN: 3-938358-42-4