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PRAXIS
MMI/ks
Karriere mit Hindernissen - Vom Mitarbeiter zur Führungskraft

Der Mangel an guten Führungskräften wird in Fachkreisen seit Jahren immer wieder bemängelt. Es fehlt an den Schlüsselqualifikationen auch bei fachlich hoch qualifizierten Bewerbern. Den Neulingen wird spätestens in der Praxis bald bewusst, dass ihnen die sogenannten Soft Skills fehlen, und allen voran die Führungskompetenz. Doch die sind dringend notwendig, wenn Sie Mitarbeiter erfolgreichen führen, Teams zu Spitzenleistungen motivieren und in selbstsicherer und entspannter Weise Ihren Führungsalltag meistern möchten.

Schauen wir uns die Praxis einmal an. Die meisten Führungskräfte waren zuvor Fachkräfte in ihrem Bereich, oft hoch qualifiziert und haben sich als solche bewährt. Nach einer gewissen Zeit werden sie Vorgesetzte über andere, oft sogar über frühere Kollegen. Der Grund für diese Beförderung ist selten die Fähigkeit, andere Menschen zu führen, sondern die fachlichen Leistungen und Erfahrungen. Doch das Quantum an Zeit und Energie, das auf den fachlichen Bereich in Zukunft zu verwenden ist — schrumpft je nach Position und Aufgabengebiet auf einen geringen Umfang zusammen und erübrigt sich manchmal völlig.

Quantitativ und von der Bedeutung der Tätigkeit her, hat nun das Führen der Mitarbeiter Priorität. Folglich hat der Betreffende die fachlichen Aufgaben abzugeben. Doch bereits hier ergibt sich für viele ein Problem. Die Arbeit, die sie gewohnt sind, die sie beherrschen, oft auch sehr mögen, sollen sie delegieren? Das nicht immer bewusste Gefühl unersetzbar zu sein und die Zweifel, ob es ein anderer auch so gut kann, gesellt sich allzu oft zu den eigenen Vorlieben hinzu, die Arbeit auch weiterhin zu erledigen. Oft wurde auch die Fähigkeit, sinnvoll zu delegieren, einfach nicht gelernt, so dass der Mitarbeiter nicht weiß was genau zu tun ist oder bis wann und mit welcher Priorität. Es lauern viele Fallen bei der vielfältigen Aufgabe des Führens.

Schaffen Sie als Führungskraft den Sprung nicht, die fachliche Arbeit abzugeben, addieren sie sich zu den hinzugekommenen Führungsaufgaben und garantieren Ihnen ein Leben mit hoher Überstundenzahl und langfristiger Überforderung.

Und wenn Sie sich Ihrer Kernaufgabe Führen zuwenden, lohnt es sich, für die Entfaltung dieser Fähigkeiten professionelle Berater heranzuziehen. Stellen Sie sich vor, Sie treffen die Entscheidung, Golfspielen zu lernen oder Geigenspielen oder würden dies Ihrem Sprössling ermöglichen. Würden Sie sich eine Geige besorgen und alleine lernen oder ohne Trainer auf dem Golfplatz herumstümpern? Für die meisten wäre es wohl selbstverständlich, einen Trainer oder Lehrer zu engagieren und ihn — zumindest eine Zeitlang — regelmäßig aufzusuchen.

Doch Führungskräfte bleiben mit ihren Unsicherheiten oft allein und retten sich von einem Mitarbeitergespräch zum nächsten mit der bohrenden Gewissheit, sie hätten es vielleicht besser machen, wenn sie nur wüssten wie. Doch lieber halten Sie den Mund, vielleicht aus Angst, es könnte als Schwäche ausgelegt werden. Und Ärger haben Sie ja schließlich schon genug.

Etliche erfolgreiche Führungskräfte haben nach langjähriger Führungstätigkeit unter vier Augen ehrlich und mutig zugegeben, dass sie oft selbst hilflos fühlten und oft froh seien, sich irgendwie durchgemogelt zu haben. Ob dies umso mehr für die weniger Erfolgreichen gilt? Und um wie viel besser könnten sowohl die einen als auch die anderen sein?

Doch während bis vor einigen Jahren nur in Sport und Politik der Coach verbreitet war, ist es längst kein Geheimnis mehr, dass sich gerade Führungskräfte einen Coach leisten. Anders als beim Sport eher unsichtbar und leise als Vertrauensperson, Berater und Begleiter im Hintergrund.

Und innovative Unternehmen — so belegen Zahlen — investieren zunehmend mit Training und Coaching in die Qualifizierung ihrer Führungskräfte. Ob mittleres oder oberes Management, junge Führungskraft oder Erfahrenere, die positiven Effekte solcher Personalentwicklungsmaßnahmen haben sich längst in Studien erwiesen.

Was heißt eigentlich Führen, wie unterscheidet sich Führen vom Managen und wie verstehen Sie sich persönlich als Führungskraft? Wissen Sie, welches Ziel Sie verfolgen, ich meine ganz genau welches, oder ist es doch ein bisschen nebulös? Welchen Führungsstil favorisieren Sie für sich? Wenden sich Ihre Mitarbeiter auch bei Problemen, Misserfolgen oder Fehlern an Sie? Die Klärung des Selbstverständnisses und der eigenen Rolle, der Stärken und Lernfelder sowie der Wirkung nach außen sind genau so wichtig wie psychologische Grundlagen und die Fähigkeit zu guter Kommunikation. Beherrschen Sie als Führungskraft die klassischen Führungsinstrumente wie Mitarbeitergespräche führen, Zielvereinbarungen treffen, Kritikgespräche führen, Aufgabenverteilen usw. Und wenn es mal schwieriger wird und sie mit handfesten Konflikten im Team zu tun haben, welche Werkzeuge haben Sie dann zur Verfügung, sie mit dem Ergebnis der Leistungsfähigkeit des Teams, gerecht und im Sinne des Unternehmens zu klären?

Eine gute Führungskraft hat eine Vielzahl von Methoden und Werkzeugen zur Auswahl, um ihre Führungsaufgabe gewinnbringend zu erfüllen. Die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, schenken ihm Vertrauen und stellen ihre Arbeitsleistung gern in den Dienst des Unternehmens. Als Führungskraft behalten Sie den Überblick und können souverän das Team leiten, Konflikte frühzeitig erkennen und für ihre Deeskalation sorgen. Sie begreifen ihre Mitarbeiter, deren Teamverhalten und die gesamte Teamdynamik besser und gewinnen mehr Gewissheit darüber, mit welchem Verhalten Sie in den unterschiedlichen Teamphasen besser ihre wechselnden Aufgaben erfüllen können.

Denn das ist der Stoff, aus dem das praktische Berufsleben gestrickt ist. Genau die Fähigkeiten sind gefragt und wer hat die schon in unseren Ausbildungsstätten gelernt.

Somit wird jungen Führungskräfte eine Menge ihrer Anfängerfehler erspart. Und erfahrenere Führungskräfte profitieren von jeder Professionalisierung ihrer Führungskompetenz und sichern sich eine fortwährende Aktualität ihrer Führungsfähigkeiten, auch wenn sie bisher etwaige Probleme oder Verbesserungswünsche nicht thematisiert sondern für sich allein durchgestanden haben.

Interessant ist für viele Führungskräfte auch das Sichern des eigenen Status innerhalb des Unternehmens und nach außen hin. Aber wussten Sie, dass auch der Status überwiegend über Körpersprache und Stimme signalisiert und bestimmt wird? Wer es theoretisch weiß, kann es noch lange nicht in der Praxis zu seinem Nutzen einsetzen. Es ist nicht nur eine interessante Entdeckungsreise sondern für Ihre berufliche Karriere ein ebenso großer Gewinn, wenn Sie wissen, wie Sie wirken, wenn Sie klären, wie Sie wirken möchten und wenn Sie im nächsten Schritt lernen, wie Sie die gewünschte Wirkung erzielen können.

Autoren
Ruth Hellmich und Johannes Voermanek



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