Fallstrick Nummer 6: Immobilien Nach dem erfolgreichen Start in der Garage oder im Gästezimmer des eigenen Hauses, stellt sich eines Tages die Frage nach einem „richtigen“ Büro oder Verkaufsraum. Ist die passende Lokalität gefunden, sollte nicht gleich ein Fünf- oder Zehnjahresvertrag unterschrieben werden. Mit der Entwicklung des Unternehmens ändern sich auch die Ansprüche. Erfüllt die Immobilie diese in ein oder zwei Jahren nicht mehr ideal, steckt die Firma dort fest.
Mein Tipp: Wenn Sie keine Laufkundschaft haben und auch keine großen Investitionen im Innenausbau beabsichtigen, dann schließen Sie am besten einen Vertrag mit sechs Monaten Kündigungsfrist ab. So bleiben Sie flexibel, wenn Sie expandieren. Sollten dagegen die Geschäfte nicht wie erhofft verlaufen und Sie Ihre Kosten herunterfahren müssen, werden Sie nicht durch eine langfristige Vertragsbindung daran gehindert.
Fallstrick Nummer 7: Organisation Mancher, der sich vom Angestelltendasein losreißt und seine Traumfirma aufbaut, nimmt die „Werbeagentur aus einem Fernsehfilm“ zum Vorbild: Gute Stimmung, schöne und fröhliche Mitarbeiter, Spaß und Kreativität – keine Bürokratie. Doch bald kommt die Erkenntnis, dass vielleicht doch gewisse organisatorische Maßnahmen des früheren Arbeitgebers Sinn machten. Vielleicht braucht es eben dennoch ein Zeiterfassungssystem, damit auch wirklich alle Mitarbeiter die Mindest-Stundenzahl erreichen. Und vielleicht sind auch schriftliche Stellenbeschreibungen notwendig, weil sonst „niemand“ zuständig ist und wichtige Projekte liegen bleiben.
Mein Tipp: Machen Sie mit einem Organigramm Aufbau und Abläufe Ihres Unternehmens sichtbar. Eine gut funktionierende Organisation hilft Prozesse zu optimieren. Damit vermeiden Sie, dass in diesem Bereich Produktivität und ein Teil der Gewinnspanne verloren gehen.
Fallstrick Nummer 8: Rechtliche Aspekte Auch Geschäfte mit Freunden und Verwandten sollten immer schriftlich festgehalten werden. So lassen sich viel Streit und Auseinandersetzungen vor Gericht vermeiden. Das Problem ist, dass sich viele Menschen nach ein paar Monaten oder Jahren nicht mehr genau erinnern können, was vereinbart wurde – Wunschdenken überdeckt dann die Realität. Daher ist ein Schriftstück immer gut. Wer einen Juristen hinzuzieht, sollte sich vorher die – manchmal horrenden - Stundenansätze ansehen. Sonst könnte der eigene Anwalt zum Fallstrick Nummer 4 (siehe vorherige Seite) werden. Empfehlenswert wäre es ohnehin, eine Firmen-Rechtsschutz-Versicherung abzuschließen.
Mein Tipp: Jedes Unternehmen fußt auf rechtlichen Grundlagen. Dafür wird Fachwissen benötigt, welches nichts mit dem eigentlichen Geschäftsgegenstand zu tun hat. Durch Kooperation oder Einbindung in ein Netzwerk können Sie sich viele Informationen verschaffen und Know-how nutzen, das sonst teuer eingekauft werden muss.
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Fallstrick Nummer 9: Zu hohe Kosten Teure Büromöbel, ein Büro in exklusiver Lage und ein repräsentativer Firmenwagen – diesen Schritt bereuen viele Unternehmer spätestens nachdem das Startkapital aufgebraucht ist. Nur in den seltensten Fällen bringt ein schönes Büro mehr Aufträge. Deshalb gilt das Motto des gleichnamigen Hörbuches: „Was zählt, ist der Gewinn“. Ein Büro mit günstigem Preis-/Leistungsverhältnis spart Monat für Monat Mietkosten, die sich als zusätzlicher Reingewinn niederschlagen. Und was spricht gegen Schreibtisch und Schränke aus einer Büroliquidation? Nicht ausgegebenes Geld erhöht den Gewinn. Wird das rigorose Kostenmanagement der Anfangszeit eines Unternehmens unverhältnismäßig schnell mit dem Anstieg der Gewinne gelockert, wirkt sich das genauso negativ auf die Marge aus. Schon zwei oder drei schlechte Monate können die Firma gefährden.
Mein Tipp: Halten Sie Ihre Fixkosten so tief wie möglich, aber nicht so extrem, dass sich Geiz negativ auf ihr Unternehmensklima auswirkt. Sie und Ihre Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen.
Fallstrick Nummer 10: Zu wenig Ausdauer Eine Firma zu führen ist, wie ein Schiff auf dem Meer zu navigieren. Es gibt Stürme, gefährliche Sandbänke oder Eisberge und häufig bläst ein kalter Wind ins Gesicht. Wer eine Firma gründet, muss enorm flexibel, belastbar und ausdauernd sein. Krise ist der Normalzustand! Bis wirklich alles funktioniert und eingespielt ist, kann dies drei, fünf oder gar zehn Jahre dauern. Wer sich nicht in den beschriebenen Fallstricken verheddern und deswegen scheitern will, braucht sehr viel Ausdauer.
Mein Tipp: Trainieren Sie Ausdauer – beginnen Sie mit kleinen Dingen im Privatleben. Ein Sportler steigert durch ständiges Training die Fähigkeit seines Körpers, über einen ausgedehnten Zeitraum Leistung zu erbringen. Auch im Beruf kann nur mit Durchhaltevermögen das angestrebte Ziel erreicht werden.
Auf dem Weg von der guten Idee bis zum tragfähigen Unternehmen stehen viele Hürden. Für diese Problembereiche sensibilisiert, können Unternehmer und Manager und solche, die es werden wollen, die Klippen souverän umschiffen. Umsatz ist sehr wichtig, aber nicht alles. Stimmen müssen auch die ande-ren Faktoren.
Autor
Alex S. Rusch
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