Welchen Lasertypen die Zukunft gehört, ist Gegenstand einer
oft aufgeregten Debatte. Je nach Anwendung ergeben sich sehr
unterschiedliche Resultate. Die Komplexität des Ökosystems,
in dem sich verschiedene Konzepte zu behaupten versuchen, macht eine
längerfristig hohe Artenvielfalt wahrscheinlich. Vorträge zu
diesem Thema führen immer wieder zu Platznot im Saal.Die Spannung steigt, wenn die Kontrahenten auch mal dick auftragen.
Faserlaser rollen den ganzen Markt auf, sagen die einen, und rapide
steigende Verkaufszahlen scheinen ihnen Recht zu geben. Scheibenlaser
haben für die Industrie ein größeres Potenzial,
behaupten andere, und weisen ebenfalls entsprechende Investitionen
nach. Trotz allem besetzen konventionelle Stablaser gewisse
Anwendungsfelder ziemlich hartnäckig. Aber können denn alle
gewinnen?
Die genannten Lasertypen basieren auf sehr unterschiedlichen Konzepten,
mit entsprechend verschiedenen Stärken und Schwächen. So sind
z. B. Scheiben- und Faserlaser beide sehr energieeffizient, was auch
die Kosten der Pumpdioden reduziert. Wie sich aber die benötigte
höhere "brightness" der Pumpdioden für Faserlaser auf den
Preis auswirkt, ist umstritten. Eine gute Strahlqualität bieten
beide Konzepte. Ob sich das bei sehr hohen Leistungen wohl höhere
Potenzial des Scheibenlasers auswirkt, wird von den Anforderungen der
Anwendungen abhängen. Da erst seit Kurzem Multi-kW-Laser mit hoher
Strahlqualität angeboten werden, ist noch ziemlich unklar, was den
Anwendern längerfristig dafür einfallen wird. Wenn aber
intensive Pulse verlangt werden, ist der Scheibenlaser definitiv
stärker - oder verliert womöglich gegen den alten Stablaser.
Entscheidend sind am Ende die Anwendungen. Diese sind noch weit
vielfältiger als die Laser und schaffen eine äußerst
unübersichtliche, sich zudem ständig verändernde
Landschaft, in der sich verschiedene Konzepte zu bewähren suchen.
Es gibt dort einige Felder, auf denen verschiedene Lasertypen
tatsächlich in frontale Konkurrenz geraten. Andererseits gibt es
viele Nischen, in denen sich ein Lasertyp klar überlegen zeigt -
oft nicht unbedingt durch technische Potenziale, sondern durch
ökonomisch attraktive Lösungen. So ist es z. B. trotz aller
Fortschritte mit diodengepumpten Lasern weiterhin sinnvoll, Laserpulse
mit hohen Energien, aber niedrigen Repetitionsraten mit lampengepumpten
Lasern zu erzeugen. Wen kümmert es auch, wenn alle paar Jahre ein
paar Lampen fällig sind, deren Austausch aber keine erheblichen
Kosten verursacht? Selbstverständlich sieht es völlig anders
aus, wenn z. B. hohe Durchschnittsleistungen bei hoher
Strahlqualität verlangt werden.
So kompliziert die Lage auch ist, eine Prognose sei trotzdem gewagt:
dass wir in zehn Jahren viele Faserlaser sehen werden, aber auch viele
Scheibenlaser und weiterhin viele Stablaser, auch solche mit Lampen.
Dazu noch direkt eingesetzte Diodenlaser sowie wohl auch neue Typen wie
z. B. optisch gepumpte Halbleiterlaser mit externem Resonator
(VECSELs). In der Biologie ist es auch nicht anders: In
vielfältigen Biotopen mit unterschiedlichsten Nischen findet man
eine große Artenvielfalt - auch wenn schwer abzusehen ist, wie
genau das Gleichgewicht der Arten durch verschiedene Einflüsse
verschoben wird.
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| Autor |
Dr. Rüdiger Paschotta, RP Photonics Consulting GmbH
Internet: http://www.rp-photonics.com/
Dr.
Paschotta ist Experte auf den Gebieten Laser und Verstärker,
nichtlineare Optik, Faseroptik und ultrakurze Laserpulse. Über
seine Firma RP Photonics Consulting GmbH unterstützt er Firmen im
Bereich der Lasertechnik und Photonik mit Produktdesigns,
Machbarkeitsstudien, unabhängigen Beurteilungen sowie
maßgeschneiderten Schulungen.