 | |
Mit dem Immersionsobjektiv Starlith 1700i von Carl Zeiss SMT hat die Chipherstellung für 45 nm Serienreife erreicht. (Quelle Carl Zeiss SMT) | |
| |
Die Miniaturisierung integrierter Schaltkreise wird sich in den
kommenden 15 Jahren fortsetzen. Strukturen von 45 nm sind bereits heute
in Serienproduktion herstellbar. Angestrebt sind Strukturbreiten von 32
nm. Damit lassen sich 100-1000 mal leistungsfähigere
Mikroprozessoren herstellen. Jedoch zeichnet sich damit ein
grundsätzlicher Technologiewechsel ab.
Seit den frühen 1970er Jahren folgt die Chipherstellung in der
Halbleiterindustrie dem sogenannten Mooreschen Gesetz: Verdoppelung der
Taktfrequenz der Mikroprozessoren alle zwei Jahre. Nach
Einschätzung der International Technology Roadmap for
Semiconductors (ITRS) und führenden Halbleiterherstellern wird
sich die Miniaturisierung integrierter Schaltkreise auch in den
nächsten 15 Jahren fortsetzen. Die optische Lithografie hat auf
den Umsatz der weiterverarbeitenden Industrie eine Hebelwirkung von
1:100 - 1000.
Deshalb werden sowohl von Unternehmen als auch von Forschungszentren
verstärkte Anstrengungen unternommen, Technologien für die
großtechnische Produktion minimalster Maskenstrukturen zu
entwickeln. Führende Firmen auf diesem Gebiet, die Carl Zeiss SMT
in Oberkochen und ihre Partnerfirma, der Hersteller für
Halbleiterbelichtungsmaschinen ASML in Veldhoven, Niederlande haben am
27. Februar 2008 auf dem traditionellen Optikkolloquium an der
Universität Stuttgart in hochkarätigen Vorträgen den
aktuellen Stand präsentiert.
Derzeit nutzen Halbleiterhersteller ultraviolettes Licht mit einer
Wellenlänge von 193 nm (ein Nanometer ist der Millionste Teil
eines Millimeters), um Strukturen von 45 nm über Linsen auf eine
mit Fotolack beschichtete Siliziumscheibe zu projizieren. Die
empfindliche Fotolackschicht wird anschließend entwickelt, nicht
belichtete Stellen werden weggeätzt, neue Halbleitermaterialien
aufgebracht. Bis zu 40-mal wiederholt sich der Prozess mit
unterschiedlichen Masken mit einer Präzision, die eine
Größenordnung unter der belichteten Strukturbreite liegen
muss. Möglich wurde diese Technologie durch den Einsatz von
Immersionsobjektiven vom Typ "Starlight 1700i" für die
Serienproduktion, die von Carl Zeiss SMT Ende 2007 erstmalig als
technische Herausforderung entwickelt wurden. Ein Wasserfilm zwischen
dem Objektiv und der zu strukturierenden Siliziumscheibe macht die
Belichtung eines Wafers mit einem Durchmesser von 300 mm möglich.
"Starlith 1700i" bietet eine 30% höhere Auflösung und
ermöglicht die Serienproduktion von Mikrochips mit 45 nm
Strukturen - ein Novum. Die Objektive haben eine Höhe von 1500 mm
und bestehen aus einem Linsensystem aus speziellen Gläsern
mit einen Durchmesser von über 300 mm, das für die
Wellenlänge 193 nm noch durchlässig ist (Abbildung:
Belichtungsobjektiv Starlith 1700i). Die Anforderungen an die
Präzision der optischen und mechanischen Komponenten sind
gewaltig: müssen sie doch 1-2 Größenordnungen unter der
erzeugten Strukturbreite von 45 nm liegen. Diese Forderung macht eine
ultrapräzise Messung und eine darauf basierende Simulation der
Gesamtsystem-Performance notwendig. Carl Zeiss SMT wurde für diese
Entwicklung 2007 mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft in
der Kategorie Großunternehmen ausgezeichnet.
Die Halbleiterindustrie fordert aus wirtschaftlichen Gründen noch
kleinere Strukturen von 32 nm und darunter. Das erfordert ein komplett
neues Belichtungsverfahren: die Extrem Ultra-Violett -Lithographie
(EUV). Diese gegenwärtig noch nicht technisch hinreichend
umsetzbare EUV-Technik arbeitet mit 13 nm Wellenlänge. Die
Reduzierung der Wellenlänge um eine Größenordnung
erfordert jedoch auch von der Herstellungstechnik der Objektive und der
Maskenbelichtung Genauigkeiten, die noch eine Größenordnung
unter den heute verwendeten liegen. Ein grundsätzlicher
Technologiewechsel zeichnet sich damit ab, denn Gläser sind bei
dieser Wellenlänge undurchsichtig. Hochpräzise Spiegeloptiken
müssen die Formung der belichtenden Wellenfront übernehmen.
Die Abweichungen der asphärisch geformten Spiegeloberflächen
und die Oberflächenrauhigkeit müssen unter 0.1 nm liegen, das
ist bereits atomarer Bereich. Das komplette Belichtungssystem,
bestehend aus mehreren präzise zueinander angeordneten Spiegeln
wird im Hochvakuum betrieben, denn auch geringste Luftmengen
würden die EUV Strahlung absorbieren.
Der Übergang zu 13 nm Wellenlänge erfordert aber auch neue
Resiste, neue Beschichtungssysteme für die Spiegeloptiken und neue
Strahlungsquellen. Hier arbeiten Unternehmen und Forschungsinstitute
wie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik
(IOF) in Jena an der Entwicklung von speziellen Beschichtungsverfahren
sowie von Messverfahren zu ihrer Charakterisierung und die Entwicklung
hochpräziser Füge- und Montageverfahren. Für die
Entwicklung von Resistlacken für die EUV-Lithographie wurde der
Prototyp eines Labor-Resistbelichters aufgebaut. Dafür ging der
Thüringer Forschungspreis 2007 in der Kategorie "Angewandte
Forschung" am 9. Januar 2008 an das Team des IOF. Für die
Belichtung kommt eine Hochleistungs-Plasmaquelle in Frage, die eine
Strahlungsleistung um 1 k Watt haben muss und die es noch nicht
gibt. Die Lebenszeit von Quelle und Belichtungsoptik stellen
gegenwärtig die größten Herausforderungen beim
Übergang der EUV-Lithographie vom Entwicklungsstatus in die
Produktion dar.
Das Ende der optischen Lithographie wurde oft zum Jahr 2010 prophezeit.
Jedoch wurden immer wieder aufwendige technische Möglichkeiten
gefunden, diese Grenze zu verschieben, jetzt auf das Jahr 2016.
Experten sind sich einig: der Weg zu kleineren Strukturen muss gegangen
werden, lassen sich doch am Ende Mikroprozessoren herstellen, die 100 -
1000 mal leistungsfähiger sind als die heutigen. Insbesondere geht
es den Herstellern der Prozessoren um höhere Packungsdichten,
höher integrierte Funktionen und Senkung des Stromverbrauchs
für Konsumerprodukte. Die Halbleiterindustrie macht Druck: Bereits
in Kürze möchte Intel einen in 45 nm gefertigten Prozessor
mit einem Stromverbrauch von nur 50 Watt vorstellen und ab 2009 die
Produktion von 32 nm Prozessoren starten. Diese neuen Schaltkreise
werden den allgemeinen Technologiefortschritt vorantreiben und sich in
vielen Anwendungsbereichen des täglichen Lebens vorteilhaft
einsetzen lassen.