Die Terahertz (THz)-Technologie hat sich in den letzten Jahren zu
einem innovativen und schnell wachsenden Forschungsfeld entwickelt. Vor
allem im Bereich Lebensmittelkontrolle und Sicherheitstechnik werden
ihre Potenziale zunehmend deutlich. Bei den genannten Einsatzfeldern
stehen hauptsächlich bildgebende Terahertzverfahren im Mittelpunkt
des Interesses. Der medizintechnische Bereich hat sich, aus Sicht neuerer
Forschungsansätze, allerdings als wenig geeignetes Anwendungsfeld
erwiesen. Einen Massenmarkt mit Zukunft sehen Forscher der Technischen
Universität (TU) Braunschweig wiederum im Bereich der
In-door-Kommunikation.
Terahertz-Systeme gewinnen in der Diskussion um zerstörungsfreie
Prüfverfahren zunehmend an Bedeutung. Dies hat einen guten Grund.
Denn diese Wellen, die entweder als sehr hochfrequente Mikrowellen oder
als sehr langwelliges Licht angesehen werden können, zeichnen sich
etwa gegenüber Röntgenstrahlen dadurch aus, dass sie andere
Kontraste sichtbar machen können und zudem unschädlich sind.
Die Technologien, die den einzelnen Anwendungen zugrunde liegen, sind
sehr unterschiedlich. Am weitesten verbreitet sind jedoch bildgebende
Verfahren oder optoelektronische Systeme. Hier wird die THz-Strahlung
mit kurzen Laserpulsen von fotoleitenden Dipolantennen erzeugt.
Kostengünstigere Systeme mit etwas eingeschränkter
Leistungsfähigkeit lassen sich mittels Diodenlasern realisieren.
Dabei steht dann im Gegensatz zu einem breiten Spektrum eine feste
Frequenz im Mittelpunkt der Betrachtung. Im Falle, dass höhere
Frequenzen oder bessere Ortsauflösungen erforderlich sind,
empfiehlt sich der Einsatz eines THz-Gaslasers oder eines
Quantenkaskadenlasers.
Für bildgebende Verfahren wird in THz-Systemen
Ferninfrarotstrahlung mit Frequenzen zwischen 0,1 und 10 THz verwendet.
Dabei wird die Strahlung mit Hilfe von quasioptischen Elementen auf die
Probe fokussiert. Ein THz-Bild entsteht in den meisten Fällen,
indem die Probe in x- und y-Richtung senkrecht zum Strahl abgerastert
und für jeden Punkt das transmittierte oder reflektierte Signal
ausgewertet wird. Die zweidimensionale Darstellung aller Punkte
zusammen ergibt dann das THz-Bild.
Was mögliche Anwendungsfelder dieser Technologie anbelangt, so
könnten THz-Kameras auf Grundlage der Mikrowellentechnik neue
Standards im Bereich von Sicherheitssystemen schaffen. Mit dieser
Technik könnten neben Sprengstoff auch metallische oder keramische
Waffen unter Kleidung und in nicht-metallischen Behältern ohne
für den Menschen schädliche Nebenwirkungen entdeckt werden.
Denn THz-Wellen haben die Eigenschaft, dass sie Textilien gut
durchdringen und dabei zugleich von stark wasserhaltigen Objekten, wie
dem menschlichen Körper, effizient reflektiert werden. Derzeit
arbeiten einige Unternehmen intensiv daran, solche Kameras zu
entwickeln. Aber auch staatliche Stellen, wie das Berliner Deutsche
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sind auf diesem Sektor
tätig.
In weiteres Einsatzfeld der THz-Technologie wäre die
Lebensmittelindustrie. Das Potenzial im Bereich einer
zerstörungsfreien Prozess- und Qualitätskontrolle wird
momentan unter anderem am Institut für Hochfrequenztechnik der TU
Braunschweig erforscht. In diesem Zusammenhang haben sich die Forscher
auch mit der Fremdkörperdetektion in Lebensmitteln befasst.
Während metallische Verunreinigungen heutzutage problemlos mit
Metalldetektoren nachgwiesen werden können, versagt die etablierte
Technologie bei nicht-metallischen Kontaminationen. So lässt sich
beispielsweise eine Verunreinigung von Schokolade anhand eines
spezifischen Brechungsindexes des Materials im THz-Bereich feststellen.
Was den Einsatz der Terahertz-Technologie im Bereich medizinischer
Diagnostik anbelangt, sind die Forscher der TU Braunschweig eher
skeptisch. Ein früher unterschätztes Problem ergibt sich hier
durch einen zu hohen Wasseranteil, den organische Proben in diesem
Bereich zumeist aufweisen. Dadurch wird eine Eindringtiefe in die
Proben stark limitiert.
Das zukünftige Potenzial der THz-Wellen liegt, aus Sicht der
Braunschweiger Wissenschaftler, im Bereich der In-door-Kommunikation.
Neben den bildgebenden Verfahren besitzen THz-Wellen nämlich auch
als Trägerwellen für die drahtlose Vernetzung von mobilen
Bürogeräten ein enormes technisches Potenzial. Bis zur
Markteinführung der Technologie in diesem Sektor werden jedoch
noch einige Jahre vergehen.
Mit einem Femtosekundenlaser erzeugen Wissenschaftler des
Instituts für Hochfrequenztechnik der TU Braunschweig
Terahertz-Wellen
Foto: Technische Universität Braunschweig