Die Forschergruppe Professor Jürgen Czarske und seine
Mitarbeiter Dr. Lars Büttner und Dr. Thorsten Pfister an der
Technischen Universität Dresden wurde für den von ihnen
entwickelten Laser-Doppler-Distanz –Sensor (LDD) mit dem 3. Preis
der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet.
Der LDD-Sensor erlaubt grundsätzlich neue
Anwendungsmöglichkeiten: er misst nicht nur die Geschwindigkeit,
sondern gleichzeitig auch die Entfernung eines Objektes mit einer
Genauigkeit, die unabhängig von der Geschwindigkeit des gemessenen
Objektes ist. Die moderne Lasertechnik hat damit zu einer Renaissance
der Laser-Doppler-Messtechnik geführt, die bereits als
abgeschlossen galt. Sie erlaubt es nun, Positionen und
Geschwindigkeiten von Teilchen und Körpern mit
Mikrometerauflösung zu messen.
Damit eröffnen sich neue Perspektiven für die
Vibrationsanalyse von sich schnell drehenden Wellen und Rotoren,
beispielsweise bei Vakuumpumpen und Turboladern. Bei der
Entwicklung des Lasersensors arbeiteten die Dresdner Wissenschaftler in
enger Kooperation mit dem Kölner Institut für Antriebstechnik
des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das
zugrundeliegende Messprinzip beruht auf der elektronischen Auswertung
der Doppler-Frequenzverschiebung des Streulichtes von bewegten
Objekten. Hierbei wird ein Laserstrahl mit Hilfe eines Strahlteilers in
zwei Strahlen aufgeteilt und in dem Messvolumen, in dem sich eine Probe
befindet, wieder zusammengeführt.
Mit der Strömung bewegte Teilchen streuen das Licht der beiden
Laserstrahlen, wobei eine Doppler-Frequenzverschiebung auftritt. Im
Photodetektor findet eine Interferenz der beiden erzeugten
Streulichtwellen statt. Dabei entsteht ein optoelektronisches
Schwebungssignal, aus dem sich mit einer Fourier-Transformation die
Geschwindigkeit berechnen lässt. Wird bei der konventionellen
Laser-Doppler-Messtechnik das Messvolumen verkleinert, begrenzen
Beugungseffekte diese Methode. Hier liegt eine Unschärferelation
zwischen der Auflösung am Ort und in der Geschwindigkeit vor, die
mit einer Fourier-Transformation zwischen Fokusgröße und
Divergenzwinkel verknüpft ist.
Prof. Czarske und sein Team überwanden diese Grenze durch eine
zusätzliche Ortsbestimmung der Teilchen im Messvolumen mit dem
optischen Doppler-Effekt. Dann lässt sich die
Geschwindigkeitsverteilung im Messvolumen mit einer sequentiellen
Messung von Position und Geschwindigkeit der Streuteilchen erfassen.
Bei dem neuen Messprinzip des LDD-Sensors werden daher für die
elektronische Signalverarbeitung zwei Doppler-Frequenzen – statt
wie bisher üblich eine - von zwei verschiedenen
Laserwellenlängen (rotes und infrarotes Licht) für die
mathematische Berechnung der Geschwindigkeit und des Ortes benutzt. Die
zwei Laserwellenlängen werden über ein Glasfaserkabel an
einen Messkopf gesendet, der sich z.B. an der Außenwand der
Turbine befindet. Von dort gelangen die Laserstrahlen über ein
Fenster an die Schaufeln, die die Strahlen reflektieren.
Der Trick ist die gleichzeitige Vermessung der beiden Laserstrahlen,
die sich am Messpunkt kreuzen. Dabei wird auch der bisher als
Störung betrachtete Einfluss der Wellenfrontkrümmung realer
Laserstrahlen vorteilhaft genutzt. Eine spezielle Ausführung des
LDD als Laser-Doppler-Liniensensor eignet sich wegen seiner hohen
Ortsauflösung von etwa einem Mikrometer besonders für die
Vermessung von Mikrokanalströmungen. Kombiniert man mehrere
Sensoren dieser Art, kann man sogar dreidimensionale
Strömungsfelder von turbulenten Strömungen untersuchen.
Moderne Ausführungen erlauben die Vermessung von technischen rauen
Oberflächen. Beispielsweise kann auch die Spaltweite von
Turbomaschinen gemessen werden, was für eine Erhöhung des
Wirkungsgrads von Bedeutung ist. Schwingungen, die bei den
Umdrehungsgeschwindigkeiten der Schaufeln im Überschallbereich
entstehen, lassen sich noch präziser als je zuvor bestimmen.
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Laser-Doppler-Distanzsensor in Messposition am Vakuumkanal.
Quelle Berthold Leibinger Stiftung