Während der europaweite Einsatz von Ganzkörperscannern
auf Flughäfen wegen allzu großer Übergriffe auf die
Intimsphäre der Fluggäste immer noch sehr kontrovers
diskutiert wird, ist das Institut für Photonische Technologien
(IPHT) in Jena dabei, eine Terahertz-Sicherheitskamera zu entwickeln,
die Objekte mit hohem Gefährdungspotenzial erfassen kann, ohne
dabei anatomische Details aufzuzeichnen. | |
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Ganzkörperaufnahme Foto: IPHT | |
Auf einigen europäischen Flughäfen kommen sie bereits zum
Einsatz: die sogenannten "Nacktscanner" erscheinen vielerorts schon als
Mittel der Wahl zur Enttarnung von Terroristen. Bei diesen Scannern
handelt es sich um moderne Abtastgeräte, die zumeist unter Einsatz
von schmalbandiger Millimeterwellenstrahlung geringer Intensität
Menschen buchstäblich unter die Kleidung schauen können.
Dadurch ist es zwar möglich, beispielsweise metallische
Gegenstände, wie Pistolen oder andere Waffen, zu entdecken.
Gleichzeitig werden dabei jedoch detailgenaue Nacktbilder in
Fotoqualität von den Reisenden erstellt.
Von diesen Geräten unterscheidet sich der am Institut für
Photonische Technologien (IPHT) in Jena entwickelte Prototyp durch
zweierlei: Zum einen basiert er nicht auf einer Mikrowellentechnologie,
die sich zumeist noch im Gigahertzbereich bewegt, sondern die
Forscher arbeiten im Infrarotbereich mit Frequenzen im
Terahertzbereich. Damit zusammenhängend wirft der Detektor der
Jenaer Forscher nicht aktiv Strahlen auf einen Menschen, sondern
zeichnet das auf, was die Person passiv von sich aus abstrahlt. Der
Vorteil: Passiv erstellte Bilder sind im Unterschied zu beleuchteten
frei von jeglichen Schattenwürfen und damit "blind" für
anatomische Details. Zudem besteht auf Grund des passiven
Aufnahmestatus' auch keine Gesundheitsgefährdung.
Mit ihrem Ansatz ist es den Forschern gelungen, ein Problem zu
lösen, das sich bei der Entwicklung von Terahertz-Kameras bisher
stellte: Schon im Infrarotbereich sind die Eigenemissionen von
Körpern relativ schwach. Bei Terahertz-Frequenzen sind diese
nochmals eine Größenordnung schwächer und für
konventionelle Detektoren nicht mehr nachzuweisen, da sie im
Hintergrundrauschen untergehen.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma haben die Forscher dadurch gefunden,
dass sie ultraempfindliche gekühlte Detektoren auf einer
bolometrischen Basis entwickelt haben. Bolometer gehören zu den
empfindlichsten Strahlungsdetektoren und messen den von einer
einfallenden Strahlung erzeugten Temperaturanstieg in einem
Absorbervolumen. Dadurch dass das am IPHT entwickelte Bolometer bei
sehr tiefen Temperaturen nahe dem absoluten Temperaturnullpunkt
arbeitet, lässt sich des thermische Rauschen limitieren. Zur
Temperaturmessung setzen die Forscher modernste supraleitende
Elektronik ein. Der Absorber für die Terahertz (THz)- Wellen
besteht aus kleinen, lithographisch hergestellen Dipolantennen. Zur
Temperaturmessung verwenden die Wissenschaftler einen Supraleiter aus
Molybdän.
Ausgelesen wird der Detektor mit einem extrem rauscharmen
Verstärker auf Supraleiterbasis. In Verbindung mit einer
computergesteuerten Datenerfassung ermöglicht der am IPHT
hergestellte Detektor den Nachweis einer extrem kleinen
Strahlungsleistung von etwa 10 -16 Watt. Da die Eigenemissionen
des menschlichen Körpers im THz-Bereich bei etwa 10 -14 Watt
liegen, kann dieser Detektor ein rein passives THz-Abbild von Personen
erstellen.
Als Demonstrator für die prinzipielle Funktionalität einer
THz-Kamera haben die Jenaer Forscher mittlerweile einen Prototypen mit
einem 7-Pixel Empfängerarray und einem Spiegelsystem für eine
passive Abbildung von Objekten aus einer Distanz von fünf Metern
konstruiert. Dabei orientiert sich das Spiegelsystem an teleskopischen
Vorbildern aus der Radioastronomie.
Bis zur Realisierung einer THz-Kamera haben die Wissenschaftler noch
eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen: Zum einen gilt es den
aufgenommenen Bildausschnitt zu vergrößern sowie die
Pixelzahl zu erhöhen. Außerdem soll die die Geschwindigkeit
der Bildaufnahme gesteigert werden. Bis 2010 wollen die
Wissenschaftler 25 Bildaufnahmen in einer Sekunde erzielen..