Unsere Stimme hat beim Reden die Funktion einer Klimaanlage. Ist sie zu
dünn und flach, kühlt die Atmosphäre ab. Die Türe
zu den Herzen der Zuhörer fällt zu wie die knarrende Tür
im Spukschloss. Ist die Stimme angenehm und warm, erwärmt sie auch
die Herzen der Zuhörer. Sie kommen in Stimmung.
Unsere Stimme, ihr Klang, ihre Ausdruckskraft ist nicht angeboren,
sondern von klein auf erlernt. Durch Hören lernen wir sprechen und
übernehmen damit auch fehlerhafte Sprechgewohnheiten unserer
Umgebung. Es ist sinnvoll, an der eigenen Stimme zu arbeiten, weil
Menschen mit dem Klang der Stimme ganz bestimmte Eigenschaften
verbinden. „Wenn man einem Menschen eine neue Stimme gibt“,
meint nicht nur Professor Higgins in dem Musical “My Fair
Lady“ , „gibt man ihm auch einen neuen Charakter.“
Sie können lächeln, wenn Ihnen nach Weinen zumute ist; Sie
können gleichgültig bleiben, wenn Sie jemand provoziert. Doch
sobald Sie das Wort ergreifen, nutzt alle Selbstbeherrschung nichts
mehr. Ihre Stimme verrät Ihre Stimmung und bestimmt Ihre Wirkung.
Man muss einen Menschen erst sprechen hören. Erst dann kann man
sich ein vollständiges Bild von ihm machen. Die Stimme gehört
zur Gesamtpersönlichkeit. Nicht umsonst sagt Sokrates:
„Sprich - damit ich dich sehe.“
Folgende 7 Stimmfehler sollten Sie vermeiden- Die Artikulation ist nachlässig. Nuscheln oder das Verschlucken von Endsilben (Lebn statt Leben) erschweren das Verständnis.
- Die Wörter werden gehaucht.
Bei einer verhauchten Stimme hört man den Luftstrom heraus,
dadurch klingt sie „überlüftet“ und heiser.
- Das Stimmniveau ist zu gleichmäßig hoch, klingt piepsig. Menschen mit tieferer Stimme gewinnen leichter Sympathie.
- Die Stimme ist zu leise. Diese „Klein-Mädchen-Stimme“ wird Ihnen als Gefühl der Unsicherheit ausgelegt.
- Die Sprechweise ist monoton.
Die Stimme hebt und senkt sich nicht, hat keine Dynamik. Ursache
dafür können Angst, Desinteresse oder Müdigkeit sein.
- Die Stimme klingt pastoral und pathetisch. Ihre Rede wirkt auswendig gelernt, so, als ob Sie nicht hinter Ihren Worten stehen würden.
- Die Stimme wird gequetscht, hat zu wenig Resonanz. Dahinter verbirgt sich oft Angst vor lautem Sprechen.
Übung macht den Meister Richtig rund wird eine Stimme, wenn sie aus einer Kombination von Kopf-
und Bauchstimme besteht. Diese ideale Stimmhöhe nennen Experten
„Indifferenzlage“.
Mit folgender Summ-Übung können Sie Ihre Stimme angenehmer und farbenreicher machen:
Atmen Sie zuerst einmal aus. Ganz langsam. Und dann wieder ein. Legen
Sie jetzt die Lippen ganz leicht aufeinander. Nicht pressen.
Während Sie jetzt die Luft durch die Nase langsam entweichen
lassen, summen Sie laut und kräftig: „hmmm“. Solange
wie Ihr Atemstrom reicht. Dann wieder einatmen. Lassen Sie jetzt erneut
soviel „hmmm“ heraus, wie Sie Atem haben. Sie müssten
in den Lippen dabei ein leichtes Kitzeln verspüren. Und in Ihrem
Resonanzkörper „Kopf“ muss es summen und vibrieren wie
in einem Bienenhaus. Wiederholen Sie das Summen jetzt noch dreimal.
Zur Erklärung:Ihre Indifferenzlage erreichen Sie, wenn der Ton bei mehrmaligen
Wiederholungen gewissermaßen von selbst immer in der gleichen
Höhe klingt. Aus diesem „hmmm“ heraus sollten Sie dann
generell sprechen. Die Übung gehört übrigens zum
Repertoire aller großen Sänger, Schauspieler und Redner. Sie
können sie durchführen im Auto, in der Büropause, bei
der Morgentoilette. Kurz: Sie füllen „Leerlaufzeiten“
und Ihre Stimme gewinnt gleichzeitig an Resonanz.
AutorGerhard Reichel,
Institut für Rhetorik,
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