
Prof. Dr. Jürgen Popp Mittwoch 17.06.2009 10:00 - 10:15 Uhr Keynote: Visions for future diagnostics Forum Halle B1, Stand 159
Gemeinschaftsstand "Forschungsschwerpunkt Biophotonik“,
Halle B1, Stand 141 |
Prof. Dr. Jürgen Popp ist Leiter des Institutes für
Physikalische Chemie der Universität Jena und Wissenschaftlicher Direktor des
Institutes für Photonische Technologien Jena. Er ist Sprecher des
BMBF-Forschungsschwerpunktes Biophotonik und koordiniert das europäische
Netzwerk „Photonics4Life“.
Allgemein erwartet man, dass die Biophotonik unser Gesundheitswesen
in den nächsten Jahrzehnten grundlegend verändern wird. Mit
was kann man denn schon in naher Zukunft rechnen?  |
Prof. Dr. Jürgen Popp, Leiter des Institutes für
Physikalische Chemie der Universität Jena
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Prof. Dr. Jürgen Popp: Vor allem mit einer besseren Diagnostik verbreiteter
Krankheiten wie Krebs und Infektionen. Mit optischen Verfahren kann man diese
schonender, früher und genauer als bisher erkennen. Damit steigen die
Heilungschancen und Ärzte können gezieltere Therapien einleiten.
I
n welchen Bereichen der Medizin, Umwelttechnik oder der
Life-Sciences haben Geräte oder Verfahren der Biophotonik schon
den Weg in die Alltagspraxis gefunden? Prof. Dr. Jürgen Popp: Da gibt es zahlreiche Beispiele. In der medizinischen
Diagnostik sind optische Verfahren ja schon längst Routine, zum Beispiel bei
der mikroskopischen Begutachtung von Tumorgewebe. Zu den jüngeren Erfolgen der
Biophotonik zählen Verfahren wie die Fluoreszenz-Endoskopie und die optische
Tomographie. Sie ermöglichen heute schonende Untersuchungen direkt am
Patienten, wo früher Gewebeentnahmen erforderlich waren. Das verbessert dann auch die Therapie, beispielsweise
erhält ein Chirurg bereits während der Operation Gewissheit über den
Behandlungserfolg. Aber auch in der Therapie selbst haben sich photonische Methoden durchgesetzt, weil man
sie so schonend und präzise einsetzen kann. Augenerkrankungen etwa können mit
der Laserchirurgie oder der Photodynamischen Therapie sehr gezielt behandelt
werden. Letztere hilft außerdem Haut- und Krebserkrankungen zu bekämpfen.
Mikroskopie und Spektroskopie werden ja nun schon länger in
der Medizin eingesetzt. Welche Erfindungen haben denn letztendlich zu
dieser überragenden Bedeutung der Biophotonik geführt? Prof. Dr. Jürgen Popp: Wir können heute zelluläre Abläufe viel deutlicher
erfassen als noch vor einigen Jahren. Hierzu
tragen kombinierte Mikroskopie- und Spektroskopieansätze bei, die
eine
multidimensionale, molekulare Bildgebung erlauben. Ein großes
Potenzial haben auch die neuen höchstauflösenden
Mikroskopieverfahren. Sie könnten uns bald erlauben,
zelluläre Prozesse in
ungekannter Schärfe und in Echtzeit zu beobachten. Dies verspricht
große Fortschritte in der medizinischen Diagnostik, denn
auf molekularer Ebene machen sich viele schwere Erkrankungen wie Krebs
und
Alzheimer ja schon lange vor dem Auftreten der ersten spürbaren
Krankheitssymptome bemerkbar.
Der ausgesprochen fachübergreifende Charakter stellt eine der
großen Herausforderungen des Forschungsgebietes Biophotonik dar.
Wie bekommt man denn Mediziner, Naturwissenschaftler und Techniker
konstant an einen Tisch? Welche Bedeutung hat in dieser Hinsicht eine
Veranstaltung wie die LASER World of PHOTONICS? Prof. Dr. Jürgen Popp: In Deutschland hat das BMBF mit einer Förderinitiative den
Weg hierfür geebnet. Sie bringt im
Forschungsschwerpunkt Biophotonik Anwender und Technologen in
Verbundforschungsprojekten zusammen. Mit diesem Netzwerk, aber auch auf der
europäischen Ebene arbeiten wir daran, den Fachdialog projektübergreifend
voranzutreiben. So organisieren wir mit
dem Forschungsschwerpunkt ein jährliches Symposium, das 2009 zum zweiten Mal
auf der LASER stattfindet. Dort wollen wir mit der Workshop-Reihe „Visions for
Future Diagnostics“ Anwenderbedürfnisse und technologische Innovationen
ausloten.
Die Bundesregierung hat die große
gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Biophotonik
früh erkannt und bereits 2001 begonnen die Biophotonik als
Forschungsschwerpunkt zu fördern. Seit 2007 ist man nun mit acht
weiteren Projekten in der dritte Förderrunde. Kann man denn schon
erste konkrete Beispiele auf der LASER World of PHOTONICS sehen? Prof. Dr. Jürgen Popp: Ja, wir zeigen Exponate aus den Anwendungsfeldern
Medizinische Diagnostik, Zellbiologie und Umweltmonitoring. So zum Beispiel ein
Fluoreszenz-Endoskop für die schonende Krebsdiagnostik, ein Mikroskop für die
Untersuchung lebender Zellen in ihrer natürlichen Umgebung sowie ein Gerät, das
Bakterien unverzüglich in Raumluft nachweist.
Sie sind Koordinator des europäischen Exzellenznetzwerkes
für Biophotonik "photonics4life", das im letzten Jahr von 13
europäischen Forschungseinrichtungen gegründet wurde. Wie
sieht denn die Zusammenarbeit mit der „industrielastigeren“
europäischen Technologieplattform „Photonics21“ aus. Prof. Dr. Jürgen Popp: Die Photonics21 rekrutiert etwa die Hälfte ihrer
Mitglieder aus der Industrie, die anderen Mitglieder stammen jedoch aus
Universitäten und Forschungseinrichtungen. In der Work Group 3
„Life Sciences and Health“ sind viele photonics4life-Partner aktiv. In Ergänzung der Jahrestagungen, die
grundsätzlich in Brüssel stattfinden, konnten wir die letzten beiden Work
Group-Treffen in Jena organisieren. Das nächste findet Ende Mai bei einem
weiteren photonics4life-Partner statt, dem Istituto di Fisica Applicata in
Florenz.
Zum Schluss vielleicht ein Ausblick auf die kommenden Trends in der
Biophotonik. Was steckt noch am Anfang der Forschung. Welche
technischen Hürden muss man in Zukunft noch meistern? Prof. Dr. Jürgen Popp: Zu den größten Herausforderungen gehört die Aufbereitung
der Informationsfülle, die wir heute mit optischen Verfahren aus biologischen
Proben gewinnen können: Welche Informationen sind tatsächlich medizinisch
relevant, wie kann ich sie bedarfsgerecht darstellen? Solche Fragen können
Mediziner, Naturwissenschaftler und Technologen wiederum nur im engen
Miteinander lösen.
Wir danken für das Interview.
| Kontakt |
Prof. Dr.
Jürgen Popp Institut
für Photonische Technologien
Wissenschaftlicher Direktor
Albert-Einsteinstr. 9
(Campus Beutenberg)
D-07745 Jena Tel.: +49
(0) 3641/206-300 Fax: +49
(0) 3641/206-399 E-mail:
juergen.popp@ipht-jena.de Website: www.biophotonik.org
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