Im Rahmen einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Original Equipment
Manufacturer (OEM) Rolls-Royce Deutschland (RRD) in Oberursel hat das
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT gemeinsam mit dem
Lehrstuhl für Lasertechnik LLT der RWTH Aachen ein innovatives und
wirtschaftliches Reparaturverfahren für Triebwerkskomponenten
entwickelt.
Bild 1: Auftragschweißanlage von TRUMPF, ausgestattet mit lampengepumptem Nd:YAG-Laser.
Bildquelle: Rolls-Royce Deutschland, Oberursel. Die Gewährleistung der Flugsicherheit genießt in der zivilen
Luftfahrt oberste Priorität. Eine zentrale Rolle nimmt hier die
Funktionsfähigkeit der Triebwerke ein. Für die
regelmäßigen und aufwändigen Inspektionen werden sie
vollständig demontiert und umfassend gewartet. Die
Triebwerkskomponenten aus speziellen Titan- und Nickelbasislegierungen
(Superlegierungen) unterliegen aufgrund extremer Druck- und
Temperaturschwankungen einem hohen Verschleiß. Zudem werden sie
bei Start und Landung häufig durch angesaugte Fremdkörper
beschädigt. Spezielle Reparaturen, bei denen verschlissenes
Material partiell ersetzt werden musste, waren in der Vergangenheit
nicht möglich. Bislang nicht instandsetzbare Teile wurden daher
komplett durch neue ersetzt, was zum einen extreme Kosten verursacht
und zum anderen aufgrund der weltweit geringen Marktverfügbarkeit
der Werkstoffe zu Beschaffungsproblemen geführt hat.
Forschern des Fraunhofer ILT und des LLT gelang es, diese Engpässe
zu überwinden: Mithilfe des Laserauftragschweiß-Verfahrens
ist es nun möglich, diese defekten Triebwerksteile
instandzusetzen. "Dabei besteht die Neuerung darin,
oxidationsempfindliche Titanwerkstoffe und verzugsempfindliche
Komponenten präzise, reproduzierbar und ohne Verzug zu
schweißen.", erläutert Dr. Andres Gasser, Projektleiter am
Fraunhofer ILT. "Das beim Laserauftragschweißen erzeugte
Schmelzbad wird durch eine lokale Gasatmosphäre vor Reaktionen mit
der Umgebungsatmosphäre geschützt. Somit kann auf eine
kostenintensive geschlossene Prozessgaskammer verzichtet werden." Das
Aachener Forschungsinstitut übernimmt die Verantwortung für
die vollständige Projektabwicklung, von der Verfahrensentwicklung
über die Zertifizierung des Verfahrens bis hin zur Installation
einer Anlagentechnik zum Laserauftragschweißen beim industriellen
Projektpartner.
Bei dieser Technik wird durch den Laserstrahl an der
Bauteiloberfläche ein lokales Schmelzbad erzeugt. Mit einer
angepassten Pulverzufuhrdüse wird nun ein artgleiches metallisches
Pulver eingebracht. Die so entstandene Schicht weist ähnliche
mechanische Eigenschaften wie das Bauteil auf. "Eine
Schlüsselrolle spielt hierbei ein neu entwickeltes System von
Pulverzufuhrdüsen, das den Pulvernutzungsgrad erhöht und die
Oxidation der Schichten vermeidet.", erklärt Gerhard Backes,
Projektleiter Düsenentwicklung am LLT. Dank ihres modularen
Aufbaus und der kompakten Bauweise sind den Anwendungen der
Spezialdüsen nahezu keine Grenzen gesetzt. Ein weiterer Vorteil
des Laserauftrag-schweißens im Vergleich zum konventionellen
Schweißen liegt im minimierten Bauteilverzug aufgrund der
geringen thermischen Belastung, zudem erfolgt das Schweißen
defektfrei und endkonturennah.
Bild 2: Reparatur von Frontrotoren: Prozessaufnahme.
Bildquelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, AachenParallel zur Prozessentwicklung hat das Fraunhofer ILT eine angepasste
Anlage der Firma TRUMPF zum Laserauftragschweißen geliefert, die
nun seit rund einem Jahr bei Rolls-Royce Deutschland in Betrieb ist und
sich sehr gut bewährt hat. Martin Spallek, Verantwortlicher
für Komponenteninstandsetzung bei RRD, zieht Bilanz: "Durch den
Einsatz des Instandsetzungsverfahrens verkürzen sich die Zeiten
für die Generalüberholung der Triebwerke erheblich bei
gleichzeitiger Kostensenkung um rund ein Drittel. Das trägt in
hohem Maße zur Steigerung unseres Wettbewerbsvorteils bei."
Bild 3: Frontdrum mit Pulver- und Schutzgaszufuhr.
Bildquelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, AachenDas von der Fraunhofer-Gesellschaft gegründete Innova-tionscluster
"Integrative Produktionstechnik für energieeffiziente
Turbomaschinen - TurPro" entwickelt dieses Instandsetzungsverfahren
für Turbomaschinenkomponenten weiter. Somit wird die Technik auch
für stationäre Turbinen nutzbar gemacht und eröffnet
neue Perspektiven für die allgemeine Triebwerkstechnik und
langfristig auch für den gesamten Maschinenbau. Ein nachhaltiger
Beitrag zur Sicherung des Hochlohnstandortes Deutschland!