Wenn die Sonne scheint, fließt viel Strom aus Solaranlagen ins
Netz. Schiebt sich eine Wolkenfront dazwischen, sieht es für den
Stromertrag schnell düster aus. Für Stadtwerke lässt
sich daher die Sonnenenergie nur schwer einplanen. Einfacher wird das
jetzt mit einer Software, die Informatiker der Universität des
Saarlandes gemeinsam mit der Firma Luxea GmbH und den Stadtwerken in
Sulzbach entwickelt haben. Dabei werden die Vorhersagedaten des
Deutschen Wetterdienstes über Wolkenzug und Lichtintensität
kleinräumig mit den vorhandenen Photovoltaikanlagen abgeglichen.
Für jedes Netzgebiet kann man damit vorhersagen, welcher
Stromertrag aus Solarenergie in den kommenden Stunden zu erwarten ist.
Für Energieunternehmen und Hausbesitzer wird es mit der neuen
Software einfacher, den stark schwankenden Ertrag aus der
Solarproduktion besser zu nutzen. „Mit unseren Prognosen
könnte man zum Beispiel die Waschmaschine oder den
Geschirrspüler so steuern, dass sie erst dann laufen, wenn viel
Solarstrom ins Netz eingespeist wird“, erläutert Holger
Hermanns, Professor für Verlässliche Systeme der Saar-Uni.
Auch beim Laden von Elektro-Autos oder dem Betrieb von Wärmepumpen
käme es oft nicht so genau auf eine Stunde an. „Da die
Stromspeicherung teuer und aufwändig ist, sollte man die
Sonnenenergie möglichst nutzen, wenn sie anfällt“,
erläutert der Informatiker. Die Energieversorger könnten
außerdem durch die kurzfristige Vorhersage der Solarproduktion
ihren Energiemix besser planen. Damit werde der Bedarf an teurer
Regelenergie vermindert. „Wenn man abschätzen kann, wie viel
Sonnenlicht an einem Tag die Photovoltaikanlagen in der Region
erreicht, muss man zum Beispiel Gasturbinen erst gar nicht anschalten
oder kann auf den Zukauf von Atomstrom verzichten“, erklärt
Holger Hermanns. Auch könne man kritische Überversorgungen
und Engpässe deutlich besser vorhersagen.
Für das Forschungsprojekt haben die Stadtwerke im
saarländischen Sulzbach die Daten über die
Photovoltaikanlagen in ihrem Bezirk zur Verfügung gestellt. Diese
haben die Informatiker mit den präzisen Radarbildern des Deutschen
Wetterdienstes abgeglichen und ein Rechenverfahren entwickelt, mit dem
sich der zu erwartenden Solarertrag recht präzise bestimmen
lässt. Die Firma Luxea in Saarbrücken hat daraus eine
Software erarbeitet, die jetzt an interessierte Stadtwerke und
Hausbesitzer vertrieben wird. Das IT-Unternehmen konnte dabei seine
Erfahrungen aus dem Computerprogramm SOLinvest einbringen, mit dem
Planer und Hausbesitzer berechnen können, welcher Solarertrag auf
ihren Dächer zu erwarten ist.
Weitere Informationen unter:
http://www.uni-saarland.de/