Die Energiewende ist beschlossen, Deutschland braucht mehr grüne
Energie. Auf vielen Hausdächern, besonders in Süddeutschland,
glänzen inzwischen die schwarzen Platten. Oft sind es
Solarkollektoren, die für Heißwasser sorgen, immer
öfter auch Photovoltaik-Anlagen, die das Sonnenlicht direkt in
Strom umwandeln. Aber bisher kommen nur etwa 2 Prozent des Stroms in
Deutschland aus Solarenergie, denn noch sind Solarzellen vor allem in
der Produktion teuer und aufwändig.
Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft entwickeln innovative
Herstellungsverfahren, um das zu ändern. Vor allem Laser
eröffnen in der Fertigung ganz neue Möglichkeiten. »Die
Lasertechnik ermöglicht kontaktloses, präzises und schnelles
Bearbeiten«, erklärt Dr. Malte Schulz-Ruhtenberg vom
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen den
Hauptvorteil. So lassen sich bessere Solarzellen kostengünstiger
produzieren.
Laserverfahren hoch im Kurs
Ein Beispiel ist das Hochrate-Laser-Bohren, welches sehr präzise
und schnell kleine Löcher in Solarzellen erzeugt. Wozu man das
braucht? Eine klassische Solarzelle erzeugt Strom durch den
photoelektrischen Effekt. Sie besteht aus mehreren leitenden und
halbleitenden Schichten. Fällt Licht auf die Zelle, werden
negative Ladungsträger aus ihrer Bindung gelöst und es
fließt elektrischer Strom. Bisher befinden sich auf Vorder- und
Rückseite der Zelle die Kontakte, um den so erzeugten Strom
abzutransportieren. Wenn alle Kontakte an der Rückseite verlegt
werden können, wo sie keine Schatten werfen, steigt der
Energiegewinn. Die Löcher schaffen die Voraussetzungen für
diesen Ansatz, der als »Emitter-Wrap-Through«, kurz EWT,
bezeichnet wird. Um noch höhere Geschwindigkeiten und damit
höheren Durchsatz zu erzielen, können spezielle
Polygon-Scanner eingesetzt werden. Bei diesen Laser-Scannern lenken
rotierende Polygon-Spiegel extrem schnell aufeinanderfolgende
Laserpulse gezielt ab und sind so in der Lage sehr schnell große
Flächen zu bearbeiten. »Das ist eine vielversprechende
Technologie, die für viele Laserprozesse eingesetzt werden
kann«, so Schulz-Ruhtenberg.
Genau und schonend fürs Material
Neben der Geschwindigkeit spielt auch die schonende Arbeitsweise der
Laser eine große Rolle in der Solartechnik, denn die Zellen und
Wafer, also die Grundelemente einer Zelle, sind empfindlich.
Laserstrahlen sind aber so fein dosier- und kontrollierbar, dass die
Zellen kaum belastet werden. Deshalb nutzten die Fraunhofer-Forscher
sie für fast alles: um zu bohren, zu schmelzen, zu schneiden oder
auch zu löten. Zum Beispiel werden Ultrakurzpuls-Laser eingesetzt
um Vorder- und Rückseite einer Solarzelle voneinander zu
isolieren. Sie arbeiten schonender als andere Methoden und das ist
wichtig, denn ein großer Anteil der Kosten geht auf Schäden
und Bruch in der Produktion zurück.
Roboter im Test
Schäden verursachen häufig auch die Handhabungsroboter, die
in unterschiedlichen Varianten von allen Herstellern eingesetzt werden.
Sie sollen möglichst schnell und genau arbeiten, aber ohne die
empfindlichen Teile zu beschädigen ? das senkt die Kosten. Am
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
in Stuttgart arbeiten Forscher daran, die automatisierte Handhabung von
Wafern und Solarzellen zu verbessern. »In unserem Test- und
Demonstrationszentrum versuchen wir, die Handhabung und Automatisierung
in der Photovoltaik nachzustellen und so zu optimieren«,
erklärt Roland Wertz, der Verantwortliche beim IPA. Es dient dabei
als Schnittstelle zwischen industrieller Fertigung und
Forschungsdienstleistung im Bereich Automatisierungslösungen.So
werden unter möglichst realen Bedingungen alle Einflüsse und
Parameter registriert, die sich zum Beispiel auf die Genauigkeit und
Geschwindigkeit verschiedener Greifsysteme auswirken.
Dabei hilft der Roboter ABB IRP 360, auch FlexPicker genannt, der auch
am Fraunhofer-Stand ausgestellt wird. Er wird als Manipulator zusammen
mit dem eigentlichen Greifer für Experimente genutzt. So
analysieren und bewerten die Wissenschaftler Produkte unterschiedlicher
Hersteller und mit verschiedenen Wirkprinzipien. Denn jede konkrete
Anwendung hat eigene Anforderungen und verlangt damit nach eigener
optimierter Handhabung.
Weniger ist mehr
Aber nicht nur in der Produktion wird gespart und optimiert, sondern
auch beim Material. Nicht mehr als unbedingt nötig ? das ist das
Prinzip von Dünnschicht-Solarzellen. Sie bestehen meist aus einem
preiswerten Träger, auf den das elektrisch aktive Material als
ultradünne Schicht aufgebracht wird. Um
Dünnschichtsolarzellen qualitativ hochwertig und dabei
kostengünstig herstellen zu können, hat das
Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST
in Braunschweig verschiedene Verfahren für jeden einzelnen
Produktionsschritt entwickelt.
Die Halbleiterschichten, das Herz der Zelle, werden zum Beispiel mit
dem Hot-Wire-CVD-Verfahren hergestellt. »Der Vorteil
gegenüber herkömmlichen Verfahren ist die schonende Form der
Schichtherstellung«, erklärt Dr. Volker Sittinger vom IST.
Bei herkömmlichen plasmaaktivierten CVD-Verfahren ist das Material
während der Beschichtung dem Beschuss mit hochenergetische
Teilchen ausgesetzt. Anders bei der Hot-Wire-CVD: Dort werden die
schichtbildenden Gase nicht in Plasma, sondern an heißen
Drähten angeregt. So entstehen auf schonende Weise hochwertige
Schichten. Außerdem lässt sich das für die Herstellung
nötige Silangas besser nutzen. »Wir wandeln bei der
Hot-Wire-CVD bis zu 90 Prozent der eingesetzten Gase in Schichtmaterial
um und erreichen dadurch auch höhere Beschichtungsraten als bei
herkömmlichen Prozessen«, sagt Sittinger.
Für die Kontaktschichten auf Front- und Rückseite gibt es
seit Kurzem die C²-Beschichtungstechnologie (Cylindrical Magnetron
Co-Sputtering). Sie ermöglicht es, die Materialzusammensetzung
während der Beschichtung zu variieren. Und es soll noch
dünner gehen. Mit einem neuen Typ dreidimensional aufgebauter
Solarzellen könnten wenige Nanometer dünne Schichten
möglich sein. Das geht nur mit konturgenauer Abscheidung der
Schichten, aber auch dafür gibt es eine Methode: ALD, das steht
für Atomlagenabscheidung, aus dem Bereich der Nanotechnologie.
Solarzellen müssen also nicht mehr so teuer sein. Denn neue
Technologien könnten die Solarenergie einen großen Schritt
nach vorne bringen.