Forscher der Technischen Universität (TU) Wien haben eine handelsübliche
Kamera in eine Spektralkamera umgebaut, mit der das Farbspektrum von
Objekten untersucht werden kann.
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| Die Einzelbauteile der Spektral-Kamera |
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| Schnitt durch die Spektral-Kamera, mit Strahlengang |
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| Gesucht
wird eine dreidimensionale Datenstruktur: Zu jedem Punkt im Bild gibt
es eine ganze zusätzliche Achse mit der spektralen
Farb-Information. Am Sensor kommen Projektionen dieser Datenstruktur an
- aus ihnen kann rechnerisch auf die eigentliche dreidimensionale
Datenstruktur zurückgerechnet werden. |
Mit einer gewöhnlichen Digitalkamera kann man nur drei Farben
aufnehmen: rot, blau und grün. Für unser Auge
genügt das um einen natürlichen Farbeindruck zu erhalten. In
Wirklichkeit setzt sich das Licht, das wir wahrnehmen, aus unendlich
vielen Primärfarben unterschiedlicher Wellenlänge zusammen.
Um diese Farb-Kombinationen untersuchen zu können, brauchte man
bisher komplizierte, teure Spezialapparate. An der TU Wien wurde nun
mit ganz einfachen Mitteln ein Gerät entwickelt, das aus einer
handelsüblichen Digicam eine Spektral-Kamera macht.
Optisches Gitter spaltet Lichtstrahlen
aufDas Licht, das vom fotografierten Objekt kommt, wird durch eine Linse
auf ein optisches Gitter abgebildet. „Das optische Gitter ist in unserem Fall
eine Spezialfolie aus Plastik – die gibt es fertig zu kaufen und sie ist leicht
zu bearbeiten“, erklärt Ralf Habel vom Institut für Computergraphik und
Algorithmen der TU Wien. Diese Folie lenkt die Lichtstrahlen ab, bevor sie in
die Kamera gelangen – und zwar je nach Wellenlänge unterschiedlich stark.
Dadurch landet das Licht unterschiedlicher Farben an unterschiedlichen
Positionen des Kamerasensors. Aus den Sensormessdaten lässt sich dann – auf
mathematisch etwas aufwändige Weise – die farbliche Zusammensetzung des
fotografierten Objektes berechnen.
Auf die richtige Belichtung kommt
es anDurch die Lichtbrechung am optischen Gitter entstehen am Sensor
große Helligkeitsunterschiede. Sowohl ganz dunkle als auch ganz helle
Bildbereiche müssen richtig dargestellt werden, damit sich das Farbspektrum
richtig zurückrechnen lässt. Deshalb griff man auf die HDR-Technik zurück, die
auch in der Standard-Fotografie mittlerweile gerne verwendet wird: Mehrere Fotos
vom selben Objekt werden hintereinander mit unterschiedlicher Belichtungszeit
aufgenommen. Auf jedem Foto ist jeweils ein bestimmter Bildbereich richtig
belichtet. Der Computer setzt daraus ein einziges Bild zusammen, das die gesamte
Helligkeitsinformation enthält – mit viel mehr Zwischenschritten zwischen hell
und dunkel als das bei einem gewöhnlichen Foto möglich wäre.
„Andere
Spektral-Kameras verwenden mechanische Bauteile wie rotierende Spiegel. Das
macht diese Geräte teuer und kompliziert“, meint Ralf Habel. Durch die an der TU
Wien entwickelte Lösung wurde nun bewiesen, dass es auch einfacher geht – das
nötige Computer Know-How vorausgesetzt. „Spektrale Analysen, wie sie durch diese
Methode möglich sind, spielen heute in vielen Technologie-Bereichen eine Rolle“,
sagt Habel, „etwa um Mineralien zu analysieren, Pflanzen auf ihre Gesundheit zu
untersuchen, oder auch bei Satellitenbildern.“
Konkurrenzfähige
Auflösung mit Plastikrohr und KlebebandDie Spektral-Kamera kann auf zwei
verschiedene Arten verwendet werden: Entweder wird nur ein enger Schlitz mit
einem Pixel Breite analysiert – dann lässt sich für jeden Punkt des Schlitzes
ein Farbspektrum mit einer Wellenlängen-Auflösung von 0.8 Nanometern berechnen,
oder man nimmt ein volles zweidimensionales Bild (120x120 Pixel) auf und
erreicht für jeden Punkt eine spektrale Auflösung von immer noch 5 Nanometern.
Damit kann das Gerät jedenfalls mit komplizierteren, teureren
Spektral-Analysatoren mithalten. Die verwendete Kamera ist eine Canon EOS 5D,
als Linsen wurden handelsübliche Kameraobjektive verwendet. Ein gewöhnliches
schwarz ausgekleidetes PVC-Rohr bildet das Gehäuse.