Leuchtdioden entwickeln, die Nervenzellen der Hörschnecke
stimulieren: Das ist das Ziel des Grundlagenprojekts „Licht
hören“ von Prof. Dr. Ulrich T. Schwarz, Inhaber des
Lehrstuhls für Optoelektronik am Institut für
Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Universität Freiburg und
Gruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte
Festkörperphysik IAF, und Dr. Patrick Ruther vom Lehrstuhl
für Materialien der Mikrosystemtechnik am IMTEK. Das
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das
Projekt, das vom Fraunhofer IAF koordiniert wird.
Hörstörungen sind die häufigsten sensorischen Defizite
des Menschen. Allein in Deutschland leben etwa 14 Millionen Betroffene.
Das in den 1970er Jahren erstmals eingesetzte Cochlea-Implantat ist
eine Neuroprothese, die die Nervenzellen der Hörschnecke, die
Cochlea, durch Elektrostimulation anregt. Bei Kindern mit angeborenen
Hörschäden werden sie heute standardmäßig
eingesetzt. Der Ansatz des Projekts „Licht hören“
sieht vor, die Nervenzellen nicht elektronisch, sondern optogenetisch
zu stimulieren – mit Hilfe von Mikro-Leuchtdioden in Form
linearer Ketten. Dies soll die Wahrnehmung von Sprachmelodie und Musik
sowie das Verständnis von Sprache bei Hintergrundgeräuschen
verbessern. Angeregt werden licht-sensibilisierte Nervenzellen im
Innenohr, zum Beispiel mit blauem Licht von geringer Intensität.
Die Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität Göttingen und der
Starnberger Cochlea-Implantat-Hersteller MED-EL haben bei Mäusen
nachgewiesen, dass der Ansatz Erfolg verspricht.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IMTEK und des Fraunhofer
IAF entwickeln gemeinsam die Mikro-Leuchtdioden und integrieren sie in
flexible Sonden, die in den winzigen Gehörgang im Innenohr passen.
Mit ihnen lässt sich die Zahl der stimulierenden Kanäle
erhöhen, wodurch die Frequenzauflösung beim Hören um ein
bis zwei Größenordnungen ansteigt. Das Know-how zu flexiblen
und bio-kompatiblen Sonden kommt vom IMTEK-Lehrstuhl Materialien der
Mikrosystemtechnik, dessen Inhaber Prof. Dr. Oliver Paul ist. Das
Fraunhofer IAF trägt mit seiner Technologie dazu bei,
Gallium-Nitrid-basierte Mikro-Leuchtdioden herzustellen, die 0,01
Quadratmillimeter groß und wenige Mikrometer dick sind. Eine
gemeinsame Herausforderung ist die Integration der Polymer- und
Gallium-Nitrid-Halbleiter-basierten Prozesse.
Weitere Informationen unter
http://www.uni-freiburg.de/