Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben einen
wichtigen Schritt des durch Licht gesteuerten Wachstums von Pflanzen
aufgedeckt. Weil Pflanzen nicht weglaufen können, sind sie im
Verlauf der Evolution wahre Künstler bei der Anpassung an ihre
Umwelt geworden. Die Anpassung an Lichtverhältnisse ist besonders
bedeutsam, da Licht die Energiequelle von Pflanzen ist. Je nach
Lichtbedingung wachsen Pflanzen mit ganz unterschiedlichen
Entwicklungsprogrammen. Die Information über spektrale
Zusammensetzung, Menge und Lichtrichtung wird über eine Vielzahl
von Proteinen wahrgenommen, die im Zytoplasma, außerhalb des
Zellkerns, synthetisiert werden. Diese Photorezeptoren absorbieren vom
UV-Licht bis hin zum Infrarot, wobei Phytochrome für die
Wahrnehmung von rotem Licht verantwortlich sind.
Während der vergangenen Jahre wurden unterschiedliche
Phytochromtypen in vielen Bakterien, Pilzen und grünen Pflanzen
identifiziert. Die Photorezeptoren wirken fast ausschließlich im
Zellkern bei der Steuerung der Genexpression. Auf welche Weise die im
Licht stabilen Phytochrome des B-Typs in den Zellkern gelangen, war
bisher ungeklärt.
Mit Hilfe eines neuen, in Freiburg entwickelten Untersuchungssystems
aus sehr großen, isolierten Zellkernen der Schirmchenalge
(Acetabularia) konnten nun Faktoren identifiziert werden, die am
Kerntransport von Phytochrom B beteiligt sind. Interessanterweise
konnte durch Zugabe eines die Genexpression regulierenden Proteins, des
Transkriptionsfaktor PIF3 (Phytochrome interacting factor 3), der
Kerntransport von Phytochrom B vermittelt werden. Die Wissenschaftler
wiesen nach, dass für diese Transporthelferfunktion nur die
Phytochrom B-Bindung und ein Kernlokalisationssignal in PIF3 notwendig
sind. Die Beteiligung von mehreren dieser PIF-Transkriptionsfaktoren am
Import in den Zellkern konnte durch Studien an einer PIF-Mutante
nachgewiesen werden. In diesen Pflanzen zeigten die Forscher, dass der
lichtabhängige Kerntransport von Phytochrom B zunächst
vollständig geblockt ist und der Keimling nicht auf Licht
reagiert. Erst nach längeren Bestrahlungszeiten konnten der
Kerntransport und die Funktion des Photorezeptors wieder nachgewiesen
werden.
Weitere Experimente mit Keimlingen und isolierten Zellkernen aus
Acetabularia weisen darauf hin, dass Transkriptionsfaktoren auch am
Import eines anderen Photorezeptors, dem Phytochrom A, beteiligt sind.
Diese Arbeit weist somit auf ein neues, generelles Regulationsprinzip
hin, bei dem Transkriptionsfaktoren nicht nur die Signaltransduktion
von Phytochromen, sondern auch den Kerntransport steuern. Da der
Transport in den Zellkern bei Tieren und Pflanzen sehr eng verwandt
ist, könnten ähnliche Mechanismen auch im Tierreich vorkommen.
Veröffentlichung:
Pfeiffer et al.: Interaction with plant
transcription factors can mediate nuclear import of Phytochrome.
Aktuelle Online-Ausgabe der “Proceedings of the National Academy
of Science” 2012.Weitere Informationen unter
http://www.uni-freiburg.de/