Nichtsphärische Glasoptiken werden immer stärker nachgefragt.
Derzeit sind diese optischen Elemente für beispielsweise
Fotoobjektive oder Gleitsichtbrillengläser aufgrund ihrer
aufwändigen Fertigung noch sehr teuer. Das Fraunhofer-Institut
für Lasertechnik ILT entwickelt ein Herstellverfahren für
optische Glaskomponenten, welches besonders für die
kostengünstige Fertigung von Asphären und Freiformoptiken
geeignet ist. Damit soll künftig nahezu jede beliebige
Oberflächengeometrie in kurzer Zeit herstellbar sein.
In optischen Systemen wie Scheinwerfern, Projektoren, Fotoobjektiven
und Brillengläsern sorgen Linsen für die Bündelung des
Lichts und bestimmen mit ihrer Oberflächenform und -güte
maßgeblich die Abbildungsqualität. Bei den
üblicherweise verwendeten sphärischen Linsen besteht jedoch
stets die Gefahr von Abbildungsfehlern, denen häufig durch die
Verwendung mehrerer Linsen in einer Optik begegnet wird. Dadurch
erhöhen sich allerdings das Gewicht und der Platzbedarf des
optischen Systems. Durch den Einsatz nichtsphärischer Linsen,
deren Oberflächenform von der kugelförmigen Wölbung
einer sphärischen Linse abweicht, lassen sich diese
Abbildungsfehler effektiv verringern. So können mehrere
konventionelle sphärische Linsen durch eine Asphäre ersetzt
werden und ermöglichen eine höhere Lichtausbeute. Dadurch
reduzieren sich auch die Abmessungen und das Gewicht des gesamten
optischen Systems. Bislang wurden nichtsphärische Optiken in
kleiner Stückzahl durch eine Vielzahl kosten- und
zeitaufwändiger Schleif- und Poliervorgänge hergestellt. Eine
Alternative stellt das Blankpressen von Optiken dar, welches jedoch
lediglich für größere Stückzahlen wirtschaftlich
ist. Ein junges Forscher-Team des Fraunhofer ILT entwickelt im Rahmen
des BMBF geförderten Projekts »Formgebung und Politur
optischer Glaskomponenten durch Abtragen und Umschmelzen mit
Laserstrahlung«, kurz »FoPoLas«, ein neuartiges
Verfahren zur individualisierten Fertigung von Asphären und
Freiformoptiken.
Abtragen, Polieren, KorrigierenSebastian Heidrich und seinem Team ist es gelungen, innerhalb weniger
Minuten aus einem quaderförmigen Quarzglas nichtsphärische
Oberflächen verschiedener Krümmungsgrade und
Freiformflächen herzustellen. Dazu haben sie verschiedene
Bearbeitungsverfahren zu einer Prozesskette verbunden: Zunächst
erwärmt ein CO2-Laserstrahl das Ausgangsmaterial auf über
2230° C, die Verdampfungstemperatur von Quarzglas. Dadurch wird das
nicht benötigte Material punktuell verdampft und abgetragen. So
kann gemäß den computergenerierten Daten nahezu jede
beliebige Oberflächenform erzeugt werden. In einem nachfolgenden
Schritt wird die Oberfläche des Bauteils erneut durch
CO2-Laserstrahlung bis kurz unterhalb der Verdampfungstemperatur
erwärmt, so dass sich die Viskosität der obersten
Materialschicht verändert. Sie wird fließfähig und
reduziert aufgrund ihrer Oberflächenspannung ihre Rauheit. Nach
dem Abkühlen bleibt das Material poliert zurück. Verbleibende
Formfehler sollen nach dem Laserpolieren zukünftig durch einen
nachgelagerten, ebenfalls laserbasierten Feinstabtrag korrigiert werden.
Hohe Wirtschaftlichkeit auch für KleinserienDiese Prozesskette richtet sich insbesondere an Hersteller von
individualisierten, nichtsphärischen Optiken. Da die Erzeugung der
gewünschten Oberflächenform auf Computer-Daten basiert,
lässt sich diese ohne aufwändigen Werkzeugwechsel
verändern. Im Vergleich zu konventionellen Fertigungsmethoden kann
der Einsatz dieser Prozesskette die Fertigungsdauer der optischen
Glaskomponenten vermutlich um einen Faktor 10 verkürzen. Bei
komplexen Freiformoberflächen kann dieser Faktor sogar noch
höher ausfallen. Dies würde eine enorme Kostenreduktion und
eine hohe Flexibilität für die Produktion von kleinen bis
mittleren Stückzahlen bedeuten. Die Prozessschritte lassen sich
auch einzeln einsetzen, beispielsweise für die Innenpolitur von
Bohrungen ab einem Durchmesser von einigen Millimetern.
Derzeit arbeiten die Wissenschaftler daran, die einzelnen Schritte der
Prozesskette zu optimieren. Bevor das Verfahren industriell einsetzbar
ist, müssen unter anderem noch die Genauigkeit der Abtragprozesse
und die Oberflächenqualität des Polierprozesses gesteigert
sowie eine geeignete Messtechnik zur Formerfassung entwickelt werden,
um zukünftig eine optische Qualität der hergestellten
Glasbauteile zu erreichen.
Am 11. Mai führen Experten den Prozess im Rahmen des International
Laser Technology Congress AKL’12 im Laseranlagenpark des
Fraunhofer ILT live vor. Interessenten finden nähere Informationen
hierzu unter: www.lasercongress.org
Weitere Informationen unter
www.ilt.fraunhofer.de/