Oldenburger Physiker verfolgen Lichtspeicherung in Echtzeit: Die Idee,
Licht einzufangen und zu speichern, fasziniert Forscher seit
Jahrhunderten. Die Komplexität liegt in der enormen
Geschwindigkeit von Licht: Es benötigt nur eine Sekunde, um von
der Erde bis zum Mond zu gelangen. In Nanostrukturen, Solarzellen zum
Beispiel, hält es sich nur wenige Femtosekunden lang auf –
das ist der billardste Teil einer Sekunde. Einem deutsch-japanischen
Forscherteam um Prof. Dr. Christoph Lienau, Physiker an der
Universität Oldenburg, ist es nun gelungen, das Einfangen –
Physiker sprechen von Lokalisierung – von Licht in
künstlichen Nanostrukturen in Echtzeit zu verfolgen.
In der Mai-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Photonics
zeigen die Oldenburger Physiker in enger Zusammenarbeit mit
Wissenschaftlern der Universitäten Tokyo und Ilmenau erstmals, wie
lange sich Licht in einer zufälligen Anordnung von winzig kleinen
Nadeln aus Zinkoxid speichern lässt .
„Man kann sich diese Nadeln wie einen Irrgarten für Licht
vorstellen: Wenn Lichtstrahlen erstmal hineingelangt sind, haben sie
Mühe wieder herauszufinden“, erläutert der Oldenburger
Physiker Martin Silies, der das Experiment koordiniert hat. Um dem
Licht auf die Spur zu kommen, haben die Wissenschaftler ein neues
Mikroskop mit extrem hoher Zeitauflösung entwickelt. Der
entscheidende Trick bestehe darin, Lichtimpulse in die
Zinkoxid-Struktur einzukoppeln, die kürzer sind als seine
Speicherzeit, erläutert Silies. „So können wir direkt
messen, wie lange die Lokalisierung andauert.“
Die Erkenntnisse sind vielfach anwendbar. „Wir erwarten zum
Beispiel, dass Solarzellen verbessert werden können, wenn es
gelingt, das in sie einfallende Sonnenlicht länger zu
speichern“, erklärt Lienau. „Unsere Experimente
zeigen, wie diese Lichtspeicherung im Detail abläuft – und
dieses Verständnis wird uns helfen, die Lichtspeicherung noch
effizienter zu machen.“
Die neuen Ergebnisse sind erst ein Anfang. Die durch die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Japan Science and Technology
Agency geförderte Zusammenarbeit der Forschergruppen aus
Oldenburg, Ilmenau und Tokyo habe hervorragend funktioniert, sagt
Lienau. „Wir werden sie fortsetzen und hoffen, dass unsere Arbeit
nicht nur zur Verbesserung von Solarzellen führen wird, sondern
auch zur Entwicklung von ganz neuen Nanolasern.“
Homepage der Einrichtung:
http://www.uni-oldenburg.de/