Ein Team vom Labor für Attosekundenphysik am Max-Planck-Institut
für Quantenoptik hat eine Alternative zur
Attosekunden-Lichtblitzerzeugung weiterentwickelt. Geraten Elektronen
an einer Glasoberfläche unter den Einfluss hochintensiver
Laserpulse, senden sie Lichtblitze aus, die nur Attosekunden lang sind.
Eine Attosekunde ist ein Milliardstel einer Milliardstel Sekunde. Im
elektrischen Feld der Laserpulse beginnen die Elektronen an der
Glasoberfläche zu schwingen. Dabei entstehen letztendlich
ultrakurze Attosekunden-Lichtblitze. Dieses innovative System der
Lichtblitzerzeugung hat nun ein Team vom Labor für
Attosekundenphysik (LAP) am Max-Planck-Institut für Quantenoptik
(MPQ) in Garching verbessert. Es könnte eine Alternative zur
bisherigen Attosekunden-Lichtblitzerzeugung werden. Bis heute werden
solche Blitze nämlich mit Hilfe von Elektronen in Edelgasen
erzeugt. Gegenüber der herkömmlichen Methode bietet die
Produktion von Attosekunden-Lichtblitzen an Spiegeloberflächen
einige Vorteile, sind sich die Forscher sicher (Phys. Rev. Lett. 108,
235003 (2012).
Attosekunden-Lichtblitze verschaffen uns seit mehr als zehn Jahren
Zugang zu einer noch weitgehend unbekannten Welt – dem
Mikrokosmos. Mit ihrer Hilfe wurde es erstmals möglich, die rasend
schnellen Bewegungen von Elektronen zu „fotografieren“.
Erzeugt werden diese Lichtblitze in der Regel über Edelgasatome.
Die Elektronen dieser Atome nehmen die Energie von Laserlicht auf und
geben sie anschließend wieder ab in Form eines
Attosekunden-Lichtblitzes. Dabei gilt: Je kürzer die Lichtblitze,
desto schärfer werden die „Fotografien“ aus dem
Mikrokosmos.
Es gibt aber auch noch andere Wege, solche Lichtblitze zu erzeugen.
Einen davon hat nun ein Team vom Labor für Attosekundenphysik am
Max-Planck-Institut für Quantenoptik weiterentwickelt. Die
Forscher ließen einen hochintensiven Laserpuls von rund acht
Femtosekunden Länge und einer Leistung von 16 Terawatt auf eine
Glasfläche treffen, die damit zu einem so genannten
„Relativistisch oszillierenden Spiegel“ wurde. Eine
Femtosekunde ist ein Millionstel einer Milliardstel Sekunde. 16
Terawatt entsprechen in etwa der Leistung, die ca. 1000 Atomkraftwerke
zusammen erbringen.
Der acht Femtosekunden lange Laserpuls bestand aus drei
Lichtschwingungen und damit aus drei Schwingungen seines elektrischen
Feldes. Sobald dieses Feld auf die Glasoberfläche traf, entstand
dort ein relativistisches Plasma. Das heißt: Elektronen an der
Oberfläche wurden bis fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt
anschließend wieder abgebremst und zur Oberfläche
zurückgeschickt, sobald das elektrische Feld seine Richtung
änderte. Die Elektronen bildeten somit einen sich bewegenden
Spiegel. Bei der Reflexion an diesem Spiegel wurde das gepulste
Laserlicht umgewandelt von Nahem Infrarotem bis hin zum extrem
ultravioletten (XUV, bis zu 17 Nanometer Wellenlänge) Bereich des
Lichtspektrums. Dabei entstanden noch kürzere Lichtblitze mit
Attosekunden-Dauer. Diese traten in Form von einzelnen oder einer
Aneinanderreihung mehrerer Blitze (Pulszüge) auf, die die Forscher
herausfiltern konnten. Der Vergleich mit theoretischen Berechnungen des
Phänomens hat gezeigt, dass die Lichtblitze um rund 100
Attosekunden dauern.
Gegenüber der herkömmlichen Attosekunden-Lichtblitzproduktion
verfügen die neuen Lichtblitze über eine größere
Zahl von Photonen, sie sind also lichtintensiver als ihre
Vorgänger. Diese erhöhte Intensität ermöglicht die
Aufspaltung eines einzelnen Lichtblitzes in zwei Teile. Damit
können die Wissenschaftler nun mit zwei Attosekunden-Lichtblitzen
Elektronen im Mikrokosmos präziser beobachten als dies bisher mit
der Kombination aus einem AS-Lichtblitz gepaart mit einem längeren
Femtosekunden-Laserpuls möglich war.
Für die Ultrakurzzeit-Fotografie von Elektronen bedeutet das: Die
Bilder aus dem Mikrokosmos könnten zukünftig einen
größeren Detailreichtum besitzen.
Originalveröffentlichung:
P. Heissler, R. Hörlein, J.
M. Mikhailova, L. Waldecker, P. Tzallas, A. Buck, K. Schmid, C. M. S.
Sears, F. Krausz, L. Veisz, M. Zepf and G. D. Tsakiris
Few-cycle driven relativistically oscillating plasma mirrors - a source of intense, isolated attosecond pulses
Phys. Rev. Lett. 108, 235003 (2012)Mehr Informationen unter
http://www.mpq.mpg.de/