Winzlinge brauchen Schutz. Das gilt auch für die immer mehr
nachgefragten Piezo-Aktoren, denen ein widerstandsfähiges
Gehäuse das Leben verlängern kann. Bislang eignen sich
für deren Herstellung großmaßstäbliche
Fertigungstechnologien wie Spritzgießen aus wirtschaftlicher
Sicht nicht. Die Idee, additive Fertigungstechnologien für die
Produktion einzusetzen, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts
für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Produktionsmanagement,
Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt erfolgreich in
die Tat umgesetzt.
Ihnen ist es gelungen, einen Piezo-Aktor mit Hilfe des selektiven
Laserschmelzens (SLM) mit einem auf die Anwendung angepassten,
individuellen Gehäuse zu versehen. Das Gehäuse kann in seinen
mechanischen Eigenschaften sehr variabel gestaltet werden.
Ein dichtes Gehäuse verbessert die Zuverlässigkeit von
Piezo-Aktoren, denn ohne Gehäuse oder anderen Schutz verringern
Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit, Schmutz und Hitze die
Lebensdauer. Bislang waren bei der Herstellung von Aktor-Gehäusen
wegen der nötigen Vorspannung viele einzelne Teile erforderlich,
was die Kosten in die Höhe trieb. Ziel der Darmstädter
Forscher war es daher, das Aktor-Gehäuse als ein Bauteil zu
fertigen. Sie nutzten dazu die Vorzüge des SLM, sehr frei in der
Formgebung zu sein. SLM ist eine kommerziell verfügbare und gut
etablierte Fertigungstechnologie, die aus verschiedenen Metallpulvern
feste Teile fertigt. Dabei wird das Metallpulver durch einen
Laserstrahl auf seine Schmelztemperatur erhitzt. Durch die schichtweise
Zugabe von Material lassen sich feste Teile direkt aus CAD-Daten
erstellen, ohne dafür teilespezifische Werkzeuge anfertigen zu
müssen.
Mit diesem Verfahren lässt sich ein Großteil des Aufwandes
für Werkzeuge einsparen und die Herstellungskosten von komplexen
Teilen in eher kleinen Stückzahlen spürbar senken. Als Aktor
wählten die Forscher einen im Handel erhältlichen
piezokeramischen Stapelaktor mit einer maximalen Blockierkraft von 2 kN
und eine maximale Dehnung von 45 ?m. Die Größe des Aktors
beträgt 7 x 7 x 32 mm.
Direkte Herstellung des Gehäuses Vor der größten Herausforderung standen die Darmstädter
Forscher, als es darum ging, den Piezoaktor während der
Herstellung des SLM-Gehäuses in dieses zu integrieren. Nur auf
diese Weise konnte es gelingen, eine hermetische Ab-dichtung zu
realisieren. Zu diesem Zweck unterbrachen die Wissenschaftler den
Prozess des selektiven Laserschmelzens an einer bestimmten Höhe.
In diesem Stadium integrierten sie den Aktor und setzten
anschließend den SLM-Prozess fort. Mit dieser Vorgehensweise
konnte der Aktor erstmalig vollständig mit einem, mit bestimmten
physikalischen Eigenschaften ausgestatteten, Metallgehäuse
umschlossen werden.
Während des Prozesses treten im Pulverbett Temperaturen von
durchschnittlich 180°C auf. Der hieraus resultierende thermische
Schrumpf des Gehäuses führt zu einer mechanischen Vorspannung
des Aktors im Inneren, die sich vorteilhaft auf die Antriebsleistung
und die Zuverlässigkeit auswirkt.
Homepage der Einrichtung:
http://www.lbf.fraunhofer.de