Photovoltaik-Module liefern Strom ohne Risiken und Nebenwirkungen
für Umwelt und Klima. Doch der Sonnenstrom ist teuer. Die Module
müssen daher möglichst lange halten. Amerikanische
Fraunhofer-Forscher suchen jetzt nach Materialien, die Solarzellen vor
zerstörerischen Umwelteinflüssen schützen.
Manchmal entscheiden wenige Cents über Erfolg oder Misserfolg
einer Technologie. Solange beispielsweise Solarstrom teurer ist als
Energie, die aus fossilen Rohstoffen gewonnen wird, ist sie auf dem
freien Markt nicht konkurrenzfähig. »Die Stromgewinnung aus
Sonnenenergie ist immer noch auf Subventionen angewiesen – das
ist in den USA nicht anders als in Deutschland«, erklärt
Christian Hoepfner, Wissenschaftlicher Direktor des Fraunhofer Center
for Sustainable Energy Systems CSE in Cambridge, USA – einer
Tochter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in
Freiburg. »Wenn wir wollen, dass sich regenerative Energien
langfristig auf dem Weltmarkt durchsetzen, müssen wir dafür
sorgen, dass sie billiger werden.«
Patentrezepte, wie sich dieses Ziel erreichen lässt, gibt es
nicht: Der Wirkungsgrad lässt sich nicht unendlich steigern und
die Produktion von Solarmodulen ist teuer. Wer hier etwas
verändern will, muss Tüftelarbeit leisten: Ingenieur-Teams
auf der ganzen Welt suchen nach neuen Techniken und Fertigungsmethoden,
die Zellen und Module billiger, effektiver, widerstandsfähiger und
zuverlässiger machen.
Silikone – stabil und belastbarZu den Erfolg versprechenden Materialien gehören Silikone. Diese
sind höchst eigenartige Stoffe – Zwitter, die sowohl mit
Kristallen als auch mit Kunststoffen verwandt sind, sich aber keiner
Gruppe richtig zuordnen lassen. Die Photovoltaik-Industrie nutzt
Silikone schon seit längerem zum Verkapseln von Modulen. Zum
Laminieren wurden sie bisher jedoch kaum eingesetzt. Die Laminierung
ist eine Schutzschicht, die die zerbrechlichen Siliziumwafer umgibt.
Die meisten Hersteller schützen die Wafer bisher mit
Äthylen-Vinyl-Acetat.
Um herauszufinden, ob sich das Äthylen-Vinyl-Acetat durch Silikon
ersetzen lässt, ging ein Team von Wissenschaftlern ans Werk.
Beteiligt waren neben Fraunhofer-Forschern Ingenieure der Dow Corning
Cooperation – die Firma ist der weltgrößte Hersteller
von Silikonen, die in der Medizintechnik, Kosmetik, Automobilindustrie,
Papierverarbeitung und Elektronik zum Einsatz kommen. Die Experten
übergossen Photovoltaik-Zellen mit flüssigem Silikon.
»Wenn dieses aushärtet, versiegelt es die Zellen, die
elektronischen Bauteile sind damit optimal geschützt«, so
Project Manager Rafal Mickiewicz. Aus den mit Silikon laminierten
Zellen bauten die Experten am CSE Prototypen und prüften diese
Photovoltaik-Module nach allen Regeln der Ingenieurskunst: Die Module
wurden in einer Klimakammer bei niedrigen Temperaturen und zyklischen
mechanischen Belastungen geprüft. Anschließend testeten die
Ingenieure mit einem Lichtblitz die Leistungsfähigkeit der Module
und suchten mithilfe von Elektro-Lumineszenz-Imaging nach Mikrorissen.
Der Vergleich der Ergebnisse mit denen konventioneller Solarmodule
zeigte, dass silikonummantelte Photovoltaik-Module zyklische
Belastungen, beispielsweise durch starken Wind und große
Kälte, besser standhalten. »Dow Corning Corporation hat mit
den Forschern der Gruppe Fraunhofer CSE Photovoltaik-Module zwei Jahre
kooperiert. Die Zusammenarbeit hat unser Verständnis von den
Materialanforderungen, die an Solarmodule gestellt werden, signifikant
verbessert, vor allem was die Haltbarkeit und die Leistung
betrifft«, resümiert Andy Goodwin, Global Science &
Technology Manager, Dow Corning Solar Solutions.
Die Tests sind mittlerweile abgeschlossen und wurden bei der 26th
European Photovoltaik Solar Energy Conference im Jahr 2011
veröffentlicht. »Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass
Silikonlaminierung für bestimmte Anwendungen besonders geeignet
ist, weil das Silikon die zerbrechlichen Bauteile im Inneren gut
schützt und außerdem starken Temperaturschwankungen
standhält. Mit der Technik können wir beispielsweise Module
mit dünnen Silizium-Solarzellen robuster machen«, sagt
Mickiewicz.
Weitere Informationen unter
http://www.fraunhofer.de/