Rotes Laserlicht kommt in verschiedenen Bereichen zum Einsatz: mit
ihnen lassen sich Entfernungen sehr exakt messen, holografische Bilder
erzeugen oder bestimmte Spektroskopie-Messungen durchführen.
Forscher des Ferdinand-BraunInstituts, Leibniz-Institut für
Höchstfrequenztechnik (FBH) haben ein neues Verfahren entwickelt,
um Diodenlaser für den roten Spektralbereich einfacher und mit
besserer Strahlqualität herzustellen.
Damit ein Diodenlaser möglichst genau eine Wellenlänge
ausstrahlt, muss ein Gitter eingesetzt werden, das die Wellenlänge
stabilisiert. Für solch ein Gitter gibt es zwei
Möglichkeiten: Entweder es wird ein separates Gitter hinter bzw.
vor den Diodenlaser montiert, oder das Gitter wird direkt in den
Halbleiter integriert (z.B. Distributed Bragg Reflector Ridge Waveguide
Laser: DBR-RW-Laser). Das Montieren und Justieren eines externen
Gitters erhöht den Aufwand, einfacher in der Handhabung sind
Diodenlaser, in die schon ein Gitter eingebracht ist. Nun haben
Wissenschaftler des FBH ein neues Verfahren zur Herstellung von
integrierten Bragg-Gittern in roten Diodenlasern entwickelt. Der Name
geht auf den britischen Physiker Sir William Henry Bragg zurück,
der 1915 mit dem Physik-Nobelpreis für seine Verdienste um die
Erforschung von Kristallstrukturen ausgezeichnet wurde. Bragg-Gitter
sind Strukturen in periodischem Abstand, die als optische Filter eine
spezifische Wellenlänge selektieren.
Ein übliches Verfahren für das Einbringen eines Gitters in
den Halbleiter besteht darin, das Aufwachsen der verschiedenen
Schichten nach einer bestimmten Schicht zu unterbrechen. In diese
oberste Schicht werden dann die Gitterkerben hineingeätzt, und
anschließend wird der Prozess des Aufwachsens fortgesetzt. So
wird das Gitter vergraben. Der zweite Schritt des Aufwachsens findet
dann allerdings nicht mehr auf einer ebenen Fläche statt; die
Kerben müssen erst aufgefüllt werden. Das führt zu
vielen Defekten in den oberen Schichten. Daher verwenden die
FBH-Forscher das Verfahren der Oberflächengitter. David Feise, der
am FBH auf diesem Gebiet promoviert, erläutert: „Wir stellen
den Halbleiter in einem einzigen Schritt her und ätzen die Kerben
erst hinterher hinein. So müssen wir den Prozess nicht mehr
unterbrechen. Unser Trick dabei: Wir verwenden für die oberen
Schichten nicht wie bisher Phosphid, sondern wir nehmen Arsenid. In das
Arsenid kann man tiefer und genauer hineinätzen als in das
Phosphid – das macht funktionierende Oberflächengitter erst
möglich.“
Anspruchsvoll ist bei dieser Methode die Epitaxie – das
Aufwachsen der kristallinen Schichten. Die Grenzfläche zwischen
Arseniden und Phosphiden ist unscharf, was zu Defekten führen
kann. Um zwischen diesen Schichten zu „vermitteln“, haben
die
Wissenschaftler eine Schicht Aluminium-Gallium-Indium-Arsenid-Phosphid
dazwischen eingefügt. „So konnten wir Probleme an den
Grenzflächen vermeiden und eine hohe Kristallqualität
sicherzustellen“, erläutert Dr. Markus Weyers,
Abteilungsleiter für Materialtechnologie am FBH. „Wir
bewegen uns dabei immer am Rande dessen, was gerade noch möglich
ist.“ Trotz der anspruchsvollen Epitaxie wird der ganze Prozess
doch vereinfacht. Denn das Material durchläuft nur einmal den sehr
teuren
Epitaxieprozess. Außerdem verbessert sich die Qualität, da
es zu weniger Defekten kommt. David Feise betont: „Die neuen
Diodenlaser haben eine hohe Zuverlässigkeit und eine lange
Lebensdauer.“
Die rot emittierenden Diodenlaser sollen langfristig zum Beispiel
Helium-Neon-Laser ersetzen, die herkömmlich beispielsweise in der
Messtechnik oder Holografie eingesetzt werden. Das ausgestrahlte
Laserlicht besitzt die gleichen Eigenschaften, allerdings sind die
neuen Diodenlaser deutlich kleiner und effizienter.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.fbh-berlin.de/