Forscher des Laser Zentrums Hannover e.V. (LZH) wollen weltweit
erstmalig eine 2 µm Femtosekunden-Strahlquelle mit Pulsenergien
im µJ-Bereich entwickeln.
Seit annähernd 20 Jahren weiß man um die besonderen
Vorzüge ultrakurzer Laserstrahlung. Aufgrund der extremen
zeitlichen Verkürzung des Pulses erreicht man sehr hohe
Spitzenintensitäten selbst bei geringen Pulsenergien. Die Wirkung
ist beachtlich: Man kann Material sehr präzise schneiden und
abtragen, ohne es durch Erwärmung zu schädigen. Diesen
Vorteil macht man sich bereits in verschiedenen Anwendungsbereichen
zunutze, wie z.B. in der Augenchirurgie. Hornhauttransplantationen mit
dem fs-Laser sind seit Jahren gängige Praxis und seit 2011 wird
das System bei der Behandlung des Grauen Stars eingesetzt. Auch in der
Industrie profitiert man von den Vorzügen der
Ultrakurzpuls-Lasersysteme. Hier führen sie beispielsweise zu
deutlich effizienteren Solarzellen oder verbessern die Ausnutzung
teurer Wafer in der Chipproduktion.
Durch Erweiterung des Emissionsspektrums eines fs-Lasers in den
Spektralbereich 2 µm bei gleichzeitig hohen Pulsenergien will man
am LZH jetzt das Tor zu gänzlich neuen Anwendungsfeldern u. a. in
der Mikromaterialbearbeitung, der Medizintechnik oder in der
Nanotechnologie aufstoßen. Neben den hohen wirtschaftlichen
Erfolgsaussichten bietet dieser ‚augensichere‘
Wellenlängenbereich einen weiteren Vorteil: beim Lasereinsatz
müssen nur relativ geringe Sicherheitsstandards eingehalten werden
– ein ansonsten stark beschränkender und kostenintensiver
Aspekt.
Konkretes Ziel der Arbeiten in der Abteilung Laserentwicklung des LZH
ist ein kompakter, regenerativer Ultrakurzpuls-Verstärker, der im
Wellenlängenbereich um 2 µm mit Pulsenergien von bis zu 50
mJ und Pulsdauern unterhalb von 500 fs emittiert. Die Forscher setzen
als Seedlaser einen fs-Oszillator auf der Basis von Thulium-dotierten
Fasern mit einer Ausgangsenergie von 1-2 nJ ein, die auf 25 nJ
nachverstärkt wird. Im Anschluss an die regenerative
Verstärkung erfolgt eine nichtlineare Frequenzkonversion in den
Wellenlängenbereich von 3 bis 6 µm in einem optisch
parametrischen Generator oder Verstärker (OPG/OPA). Als
nichtlineare Kristalle dienen z.B. Galliumarsenid (GaAs) oder Zink
Germanium Phosphit (ZGP).
„Unser Endziel ist ein auf dem 2 µm–System
basierender fs-Laser, der im mittleren Infrarotbereich
emittiert“, erläutert Dr. Dieter Wandt, Leiter der
maßgeblich beteiligten Gruppe Ultrafast Photonics.
„Für diese Wellenlängen erwarten wir noch enorme
Wachstumspotentiale.“ Als ein wichtiges Anwendungsfeld nennt
Wandt die Bearbeitung von Polymeren, die man unter Einsatz von
IR-Strahlung ohne Zusatz von Additiven schneiden, schweißen oder
trennen kann. Für die deutschen Laserhersteller soll das neue
Grundlagen-Know-how einen entscheidenden Vorteil im internationalen
Wettbewerb um die Lasertechnik der ultrakurzen Pulse liefern.
Die Aktivitäten des LZH sind in das Gesamtverbundprojekt
„Konzepte für Ultrakurzgepulste Strahlquellenkonzepte der
Nächsten Generation – Next Generation of Ultrafast
Sources“ NEXUS eingebunden und werden im Rahmen der
Förderinitiative „Ultrakurzpulslaser für die
hochpräzise Bearbeitung“ des BMBF bis 2015 gefördert.
Nexus-Verbundpartner neben dem hannoverschen Laserinstitut sind die
Hochschulen Friedrich-Schiller-Universität Jena, Leibniz
Universität Hannover und Ludwig-Maximilians-Universität
München.
Weitere Informationen unter
http://www.lzh.de/