Wärmekameras können Autofahrer bei schlechter Sicht vor
Menschen oder Tieren auf der Straße warnen. Doch bislang sind die
Geräte sehr teuer. Ein wichtiger Schritt, um sie günstiger zu
produzieren, ist nun getan: Die Infrarotlinsen – Bestandteil der
Kameras – werden durch ein neues Verfahren bis zu 70 Prozent
billiger.
Der Regen prasselt auf das Autodach, in der Dunkelheit ist nur wenig zu
erkennen. Das Reh, das aus dem Wald auf die Fahrbahn läuft, taucht
aus dem Nichts auf, der Autofahrer kann nicht mehr rechtzeitig
reagieren. Eine Möglichkeit, die menschlichen Augen zu
»erweitern« und solche gefährlichen Situationen zu
entschärfen, sind Mikro-Bolometer: Sie detektieren
Infrarotstrahlen – also die Wärme, die ein Lebewesen abgibt
– und warnen den Autofahrer im Gefahrenfall über ein
akustisches Signal oder eine Warnlampe. Bislang sind diese Geräte
mit etwa 2000 Euro allerdings noch recht teuer und nur in
Luxusklasseautos im Einsatz.
Herstellungskosten um über 70 Prozent senkenBauteil für Bauteil sollen diese Geräte nun günstiger
werden. Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer-Institut für
Werkstoffmechanik IWM in Freiburg haben sich die Infrarotlinsen
vorgenommen, die sich in den Kameras befinden: »Wir haben ein
Herstellungsverfahren für die Linsen entwickelt, mit dem wir die
Kosten für diese Komponenten um mehr als 70 Prozent senken
können. Dadurch kann sich letztendlich der Preis für die
Mikro-Bolometer reduzieren«, sagt Dr. Helen Müller,
Wissenschaftlerin am IWM. Üblicherweise stellt man die Linsen aus
kristallinen Materialien wie Germanium, Zinkselenid oder Zinksulfid
her. Das Problem: Diese Stoffe sind sehr teuer und lassen sich nur
mechanisch bearbeiten – mit Schleifen, Polieren oder
Diamantdrehen werden sie in die richtige Form gebracht. Es fallen daher
hohe Bearbeitungskosten an. »Wir verwenden statt kristallinen
Materialien das amorphe Chalkogenidglas. Seine Erweichungstemperatur,
also die Temperatur, bei der es sich verformen lässt, ist niedrig.
Wir können es daher über das nicht-isotherme
Heißprägen formen«, sagt Müller. Dieses Verfahren
erinnert an das Waffelbacken mit einem Waffeleisen: Die Forscher legen
das Chalkogenidglas zwischen zwei Presswerkzeuge, die die Form der
benötigten Linse vorgeben. Anschließend wird es erwärmt
und zwischen den beiden Werkzeugen geformt – das
»Waffeleisen« klappt also zu. Nach wenigen Minuten wird das
Glas wieder unter die Erweichungstemperatur abgekühlt und
entnommen. Und damit ist die Linse bereits perfekt. Im Gegensatz zu
herkömmlich gefertigten Optiken muss sie nicht mehr nachbearbeitet
werden. Die so hergestellten Linsen weisen die gleiche gute optische
Abbildungsqualität auf wie die polierten. Damit an den Werkzeugen
kein Glas hängen bleibt, ist ihre Oberfläche mit
antiadhäsiven, nicht haftenden Schichten überzogen,
ähnlich der Teflon-Beschichtung beim Waffeleisen. Nun wollen die
Wissenschaftler das Verfahren noch weiter in Richtung
kostengünstige Massenproduktion verfeinern.
Die Anwendungen für die Mikro-Bolometer – und damit für
die kostengünstigen Linsen – beschränken sich nicht auf
den Automobilbereich. So ist es beispielsweise denkbar, dass die
Geräte ältere Menschen in ihrer Wohnung unterstützen:
Stürzen die Senioren, registriert das Bolometer dies und alarmiert
Angehörige oder Nachbarn über ein optisches oder akustisches
Signal. In Produktionshallen können Bolometer Herstellungsprozesse
verschiedener Produkte überwachen und kontrollieren, ob die
benötigte Temperatur eingehalten wird oder Mitarbeiter warnen, die
sich in gefährlichen Bereichen aufhalten. In Wohnhäusern
spüren die Geräte Energielecks auf, etwa undichte Fenster
oder schlecht isolierte Mauern.
Weitere Informationan unter
http://www.iwm.fraunhofer.de/